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Unter­neh­mens­sa­nie­rung – Bein­am­pu­ta­tion, damit man wie­der lau­fen kann? — 5 Kommentare

  1. Allzu offen, ent­ge­gen­kom­mend und unkri­tisch sollte man auch nicht gegen­über dem Bank­be­ra­ter sein, den das »Wohl­wol­len« der Bank kann oft ein zwei­schnei­di­ges Schwert sein.
    Der im Arti­kel erwähnte gut­in­for­mierte Bank­be­ra­ter könnte zwar den strau­cheln­den Unter­neh­mer hel­fen, aber ob er es über­haupt vor­hat muss zunächst kri­tisch infrage gestellt wer­den.
    Genau­so­gut, kann auch sein Ansin­nen darin lie­gen nach alter Pfand­lei­her­ma­nier nach wert­vol­lem Aus­schau zu hal­ten oder das Unter­neh­men für sei­nen Bröt­chen­ge­ber oder einen sei­ner bevor­zug­ten Kun­den, sturm­reif zu machen.

    Das Wohl­wol­len einer Bank bestand auch oft darin, einer 80-jäh­ri­gen Dame eine marode Schiff­be­tei­li­gung zu emp­feh­len und ihr unter­zu­ju­beln, damit sie schün Steu­ern spart, auch wenn sie mit ihrer Rente nicht ein­mal die Steu­er­be­mes­sungs­grenze erreicht.
    Warum soll nun für den Kol­le­gen die­ses Pri­vat­kun­den-Bank­be­ra­ters aus dem Geschäfts­kun­den­be­reich andere Maß­stäbe gel­ten?

    In so einem Fall sollte man einen eige­nen Fach­mann hin­zu­zie­hen, der das Han­deln des Bank»beraters« bes­ser beur­tei­len kann als der Unter­neh­mer, der in dem Moment sicher­lich ganz andere Sor­gen hat.

    • Sie spre­chen ein span­nen­des und brei­tes Thema an. Grund­sätz­lich muss man Men­schen im Geschäfts­le­ben hoffe ich nicht extra dar­auf hin­wei­sen, dass ein kri­ti­sches Hin­ter­fra­gen der Motive des Gegen­übers immer dazu gehört.

      Dies vor­aus­ge­schickt, es gibt auch bei die­sem Thema Wahr­schein­lich­kei­ten: Ihr Sze­na­rio ist bei­spiels­weise bei einer inter­na­tio­na­len Groß­bank mit einem star­ken Fokus auf das M&A-Geschäft wahr­schein­li­cher als bei einer Raiff­ei­sen­bank in einer klei­nen Stadt!

      Wenn es um das Selbst­bild und die Rol­len­er­war­tung des Arbeit­ge­bers geht, lie­gen Wel­ten zwi­schen (Risiko-)Analysten anglo­säch­si­scher Prä­gung, die durch­aus Ein­kom­mens­mil­lio­näre sein kön­nen und deren teils vor­ein­ge­nom­me­nen Ana­ly­sen auf­grund der engen Zusam­men­ar­beit mit den M&A-Kollegen immer wie­der für öffent­li­che Dis­kus­sio­nen sor­gen …

      … und (Kredit-)Analysten kon­ti­nen­tal­eu­ro­päi­scher Prä­gung. Aus­nah­men bestä­ti­gen auch hier die Regel – wie der Fall „Ger­hard Grib­kow­sky“ deut­lich zeigte.

      »In so einem Fall sollte man einen eige­nen Fach­mann hinzu­ziehen […]«

      Ganz Ihrer Mei­nung :-)

      »[…] der in dem Moment sicher­lich ganz andere Sor­gen hat.«

      Kommt ein sol­cher Satz von dem Unter­neh­mer, den ich berate, werde ich sehr hell­hö­rig! Denn er kann durch­aus ein Anzei­chen für ein Negie­ren der Wirk­lich­keit sein! Es ließe sich sicher dar­über strei­ten, ob das Bank­thema die höchste Prio­ri­tät hat, aber dass in der jet­zi­gen Phase des Unter­neh­mens diese Bau­stelle zu den höchs­ten Prio­ri­tä­ten des Unter­neh­mers gehört, steht m. E. außer Frage!

  2. « Ihr Sze­na­rio ist beispiels­weise bei einer inter­na­tio­nalen Groß­bank mit einem star­ken Fokus auf das M&A-Geschäft wahr­schein­li­cher als bei einer Raiff­ei­sen­bank in einer klei­nen Stadt! «

    Diese Auss­gae kann ich nicht bestä­ti­gen. Bei klei­ne­ren Ban­ken sind zwar die Sum­men um die es geht klei­ner aber der Mecha­nis­mus und die Moti­va­tion ähn­lich. Auch klei­nere Ban­ken haben oft genug der 80-jäh­ri­gen Pri­vat­kun­din wider bes­se­res Wis­sens wert­lose »Invest­ments« ver­kauft. Wes­halb soll­ten sie nun im Falle ihres Geschäfts­kun­den anders han­deln?
    Es kommt noch hinzu, dass Lokal­ma­ta­dore min­des­tens nicht weni­ger zu Klün­geln nei­gen als inter­na­tio­nal agie­rende Spie­ler, zumal sie weni­ger im Mit­tel­punkt eines media­len Intres­ses ste­hen.

    »..ob das Bank­thema die höchste Prio­rität hat, aber dass in der jet­zi­gen Phase des Unter­neh­mens diese Bau­stelle zu den höchs­ten Prio­ri­täten des Unter­neh­mers gehört, steht m. E. außer Frage!«

    Es ist immer die Frage wodurch das Bank­thema aus­ge­löst wurde?
    Nicht jedes Bank­pro­blem ist eine Folge von Struk­tur­pro­ble­men in einem Unter­neh­men oder die des Unter­neh­mers als Per­son.
    Oft ist das Bank­thema z.B. ein Fol­ge­pro­blem von zeit­wei­ser Zah­lungs­stö­run­gen eines Groß­kun­den, die widerum die Folge eines Qua­li­täts­man­gels, Lie­fer­ver­zu­ges, etc. sein könn­ten. In so einem Fall ist der Unter­neh­mer bes­ser bera­ten die­ses Pro­blem zu lösen um dadurch den Zah­lungs­ein­gang in sei­nem Unter­neh­men erneut sicher­zu­stel­len, als end­lose betriebs­wirt­schaft­li­che Aus­ar­bei­tun­gen für die Bank zu erstel­len.
    Kann der Unter­neh­mer in so einem Fall die Qua­li­täts­män­gel oder den Lie­fer­ver­zug schnell stop­pen, lösen sich auch seine Bank­pro­bleme von alleine.

    Ich gebe Ihnen Recht, er bräuchte aller­dings einen exter­nen Fach­mann, der ihn dabei hilft her­aus­zu­fin­den, ob seine Pro­bleme struk­tu­rell bedingt oder nur durch die Stö­rung bein dem Groß­kun­den­auf­trag her­rüh­ren.

    • Ihre Argu­men­ta­tion zeigt sehr deut­lich: In Fra­gen der Image­ge­stal­tung der Bank­bran­che ist über die Jahre defi­ni­tiv viel schief­ge­lau­fen. Es liegt mir fern, für die Bran­che Par­tei zu ergrei­fen. Das ist deren Job! Somit ist es ganz und gar nicht zu bean­stan­den, wenn Sie in bei­den Fäl­len die­ses Sze­na­rio als gleich wahr­schein­lich betrach­ten und ent­spre­chend wach­sam agie­ren.

      Bei die­ser Frage möchte ich sicher­stel­len, dass wir nicht anein­an­der vor­bei reden:

      »Oft ist das Bank­thema z. B. ein Fol­ge­pro­blem von zeit­wei­ser Zah­lungs­stö­run­gen […]«

      Ihr Bei­spiel ist ein Teil der ganz „nor­ma­len“ Geschäfts­be­zie­hung mit einer Bank: Mal stellt die Bank kri­ti­schere Fra­gen als üblich, mal strei­tet man, ob eine Über­zie­hung zuge­las­sen wird und mal warum eine Über­zie­hung nicht schnel­ler zurück­ge­führt wird, etc.

      Das ist nicht das Thema die­ses Bei­tra­ges, obgleich auch da ein exter­ner Bera­ter den von Ihnen erwähn­ten Mehr­wert lie­fern kann.

      Die Aus­gangs­po­si­tion ist, dass die Bank die Ver­ant­wor­tung für die Geschäfts­be­zie­hung von der ope­ra­ti­ven, pro­dukt­ver­kau­fen­den Abtei­lung weg­ge­nom­men hat und an eine pri­mär für Risi­ko­ma­nage­ment zustän­dige Abtei­lung über­tra­gen hat.

      Die Bank ist sich sehr wohl bewusst, dass die­ser Schritt ein mas­si­ver Ein­griff in die Geschäfts­be­zie­hung dar­stellt. Davor ist typi­scher­weise viel mehr pas­siert als nur ein „Groß­kunde in Zah­lungs­ver­zug“: Mög­li­cher­weise haben hohe Ver­luste im letz­ten Geschäfts­jahr fast das gesamte Eigen­ka­pi­tal auf­ge­zehrt und die Plan­zah­len ver­spre­chen zudem nichts Gutes. Die­ser Schritt pas­siert somit nach einer detail­lier­ten Ana­lyse, bei der die Bank zu der Über­zeu­gung kommt, dass ein Kon­kurs droht oder unmit­tel­bar bevor­steht.

      Jede Bank hat eigene interne Regeln für diese Situa­tion. Die eine war­tet lange und über­gibt dann an die Sanie­rungs­ab­tei­lung, die ent­we­der mit der har­ten Sanie­rungs­phase beginnt oder direkt die Kre­dite fäl­lig stellt…
      … und die andere hat dazwi­schen eine Instanz „unter Beob­ach­tung“ ein­ge­rich­tet, um bes­ser reagie­ren und dafür sor­gen zu kön­nen, dass sich alles zum Guten wen­det. Diese Instanz ist m. E. durch­aus posi­tiv und daher sehr zu begrü­ßen! Letz­tere ist die Aus­gangs­po­si­tion für die­sen Bei­trag.

  3. »Die Ausgangs­po­si­tion ist, dass die Bank die Verant­wor­tung für die Geschäfts­be­zie­hung von der opera­tiven, produkt­ver­kau­fenden Abtei­lung wegge­nommen hat und an eine pri­mär für Risi­ko­ma­nage­ment zustän­dige Abtei­lung über­tra­gen hat.«

    Mit die­ser Aus­sage wird alles ver­ständ­li­cher und nach­voll­zieh­bar.

    Der Besuch eines neuen Bank­be­ra­ters alleine ist nicht außer­ge­wöhn­li­ches, da die Ban­ken im Zuge ihrer Umstruk­tu­rie­run­gen den Kun­den in den letz­ten Jah­ren oft als eine Art Wan­der­po­kal ansa­hen.

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