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Kun­den­kom­mu­ni­ka­tion: Warum wird über­all nur noch geduzt? — 59 Kommentare

  1. Auch als Ange­hö­ri­ger der jün­ge­ren Genera­tion, gebo­ren 1998, kann ich nur zustim­men. Meine Mut­ter legt glück­li­cher­weise Wert auf gute Umgangs­for­men, zu denen das Sie­zen so selbst­ver­ständ­lich gehört, wie eine kor­rekte Recht­schrei­bung und Pünkt­lich­keit. Von Kun­den­dienst­mit­ar­bei­tern erwarte ich, gesiezt zu wer­den. All­ge­mein beob­achte ich, wie Angli­zis­men, Duzen und Ortho­gra­phie- und Gram­ma­tik­feh­ler wie der umgangs­sprach­li­che „Dep­pen­bin­de­strich“ und die Unfä­hig­keit zur Benut­zung des Geni­tivs sich viru­lent ver­brei­ten. Wenn man mich mit mei­nen 23 Jah­ren dafür schon als Alt­mo­disch bezeich­net, bitte, so bin ich es gerne.

    • Danke Ihnen für Ihren guten Bei­trag. Ich denke in der Tat, dass es pri­mär eine Frage der Sozia­li­sie­rung und der Sen­si­bi­li­sie­rung auch sei­tens des Eltern­hau­ses ist und weni­ger eine Frage des Alters. Unge­ach­tet des­sen ist es genauso wahr, dass Zeit­geist eine signi­fi­kante Kom­po­nente der Prä­gung aus­macht. „Inter­net“ i. w. S. bei­spiels­weise ist ame­ri­ka­nisch geprägt und beein­flusst heut­zu­tage unser Leben signi­fi­kant. Angli­zis­men, simp­ler Satz­auf­bau wie für 13-jäh­rige als Adres­sa­ten, etc. sind eine logi­sche Folge davon. Ebenso ver­hält es sich mit dem „Dep­pen­bin­de­strich“. Er macht dar­über hin­aus „SEO-Opti­mie­rung“ und auto­ma­ti­sche Sil­ben­tren­nung ein Stück weit leich­ter. Daher die rasante Zunahme. Und eine Phi­lo­so­phie von Wer­be­trei­ben­den war, ist und bleibt, mit ihren Tex­ten auf­zu­fal­len. Egal wie. Bewusst ein­ge­baute Ortho­gra­phie­feh­ler inklu­sive.

      Obwohl ich per­sön­lich mei­nen Frie­den damit gemacht habe, hält es mich nicht davon ab, auf­zu­klä­ren, zu sen­si­bi­li­sie­ren und auch offen kund­zu­tun, wo meine per­sön­li­chen Prä­fe­ren­zen lie­gen. Daher die­ser und der Fol­ge­bei­trag dazu.

  2. End­lich mal jemand, der Beneh­men hat und es auch für anstän­dig hält Fremde zu sie­zen. Ich werde auch stän­dig geduzt und es wird nicht akzep­tiert, wenn ich dar­auf hin­weise, dass ich das nicht möchte. Kürz­lich wurde ich auch mal respekt­los geduzt und dann habe ich die Per­son zurück geduzt so ein­fach ist das.
    Respekt ist in den sozia­len Medien lei­der ein Fremd­wort.

    • Vie­len Dank Frau Meyer für Ihr freund­li­ches Feed­back. Der Punkt auf den ich in die­sem Zusam­men­hang gerne Hin­wei­sen möchte: Ich glaube nicht, dass ein Groß­teil der Unge­fragt­du­zer unan­stän­dig oder respekt­los sein wol­len. Sie sind sich nur nicht dar­über im Kla­ren, von wie vie­len Men­schen sie als sol­che wahr­ge­nom­men wer­den.

  3. Sehr geehr­ter Herr Ghaf­fari,

    emo­tio­nale Irri­ta­tio­nen bzgl. der all­ge­mei­nen Duze­rei haben mich auf Ihre Seite geführt. Seit meh­re­ren Jah­ren bin ich mehr oder weni­ger sprach­los ohne jeg­li­che Vor­war­nung all­seits geduzt zu wer­den, in vie­len Fäl­len habe ich nicht ein­mal die Chance mich dage­gen zu äußern (Rewe, Penny).

    Sie sind ein Licht­blick in die­ser sich selbst dege­ne­rie­ren­den Gesell­schaft. Beim Lesen der Kom­men­tare habe ich auch wie­der Hoff­nung geschöpft auf Men­schen zu tref­fen die ein­an­der respek­tie­ren. Danke.

    Eine Frage bleibt jedoch: Was macht ein jun­ger oder auch älte­rer Mensch, der sich bei der Poli­zei bewer­ben will?
    Die Poli­zei spricht bei der Suche ihre poten­ti­el­len Bewer­ber mit „du“ an („twit​ter​.com/​p​o​l​i​z​e​i​b​a​y​ern … Neues Jahr - neue Stelle? Wir haben wie­der einige viel­fäl­tige #Job­an­ge­bote für euch und freuen uns auf zahl­rei­che #Bewer­ber, die uns im all­täg­li­chen Dienst unter­stüt­zen: …“.
    Mal abge­se­hen vom feh­len­den *innen, wusste meine Enke­lin nicht, wie sie rich­tig dar­auf ant­wor­ten sollte, denn hier ist nicht vom bai­ri­schen „ihr“ die Rede. Mir selbst fiel gleich das Gefälle auf: „… uns … unter­stüt­zen“; da wer­den wohl nur Hilfs­kräfte gesucht.

    Ich gab ihr den Rat direkt auf die Seite der Poli­zei Mit­tel­fran­ken zu schauen, viel­leicht sind dort rich­tige Stel­len­an­zei­gen mit Ent­wick­lungs­po­ten­tial zu fin­den; aber auch hier: „Dein Beruf Deine Eig­nung Deine Bewer­bung Deine Aus­bil­dung Deine Kar­riere …“

    Wenn meine Enke­lin jetzt eine nor­male Bewer­bung á la „Sehr geehrte Damen und Her­ren“ schickt, macht sie sich ihrer­seits klein – zu klein, fin­det sie selbst. Wenn sie auf die Bewer­ber­su­che ent­spre­chend zurück duzt, ist das eine Beam­ten­be­lei­di­gung; und sie wird mit Sicher­heit kei­nen Job son­dern eine Anzeige bekom­men – meint meine Enke­lin. Die ent­spre­chende Web­seite konnte sie mir auch gleich nen­nen: anwalt​.de/​r​e​c​h​t​s​t​i​p​p​s​/​b​e​a​m​t​e​n​b​e​l​e​i​d​i​g​ung - ein DU kos­tet €600!
    Ich war und bin mit mei­nem Latein am Ende. Es ist mitt­ler­weile Februar und meine Enke­lin wird wohl im Som­mer ein Jura­stu­dium begin­nen.

    Herz­li­che Grüße aus Bay­ern,
    Johanna Strobl

    • Sehr geehrte Frau Strobl, ich danke Ihnen sehr für Ihre freund­li­chen Worte.

      Die The­ma­tik ist in der Tat nicht zu unter­schät­zen. In Foren, in denen Bewer­ber zu Wort kom­men, wird immer wie­der von nega­ti­ven Erfah­run­gen berich­tet. Dass bei­spiels­weise Inter­viewer durch­aus irri­tiert und nega­tiv reagie­ren, wenn sie vom Bewer­ber geduzt wer­den, obwohl die Stel­len­aus­schrei­bung etwas ande­res sug­ge­rierte – ja sogar die infor­melle Unter­neh­mens­kul­tur drin her­vor­ge­ho­ben wurde. Ob gegen­über Kun­den oder Bewer­bern, das kommt dabei her­aus, wenn „Mar­ke­ting-Sprech“ ent­kop­pelt ist vom Rest des Unter­neh­mens.

      Meine grund­sätz­li­che Emp­feh­lung ist, nie eigene Irri­ta­tio­nen und Unsi­cher­hei­ten zu kaschie­ren ver­su­chen, son­dern statt­des­sen offen und selbst­be­wusst zu the­ma­ti­sie­ren. Pla­ka­tiv for­mu­liert getreu dem Motto: „Ich würde eigent­lich in einem sol­chen Kon­text sie­zen, aber die Aus­schrei­bung sug­ge­riert, dass Sie geduzt wer­den wol­len. Das macht mich in der Tat unsi­cher…“

      Ob man das bereits im Bewer­bungs­schrei­ben the­ma­ti­siert oder erst spä­ter im Bewer­bungs­ge­spräch, ist letzt­lich Geschmacks­sa­che. Denn so oder so, wie die andere Per­son reagie­ren wird, kann man eh nicht vor­aus­se­hen. Daher ist es wich­tig, eher sich selbst die „Abso­lu­tion“ ertei­len zu kön­nen.

      Egal ob geduzt oder gesiezt, auf jeden Fall emp­fehle ich einen for­ma­len Schreib­stil. Wenn man will, kann man dabei die direkte Anrede krea­tiv umschif­fen. Bei­spiel­haft: „Liebe Poli­zei Mit­tel­fran­ken, hier­mit bewerbe ich mich …“

      Ihrer Enke­lin wün­sche ich ein glück­li­ches Händ­chen bei ihrer beruf­li­chen Wei­chen­stel­lung. Herz­li­che Grüße

  4. Ich finde die erst­ge­nannte Vari­ante der Ein­füh­rung des Duzens ins Gespräch am bes­ten. Wenn ich den Kun­den vorab dar­auf anspre­che, ob er geduzt wer­den möchte, ver­meide ich jeg­li­che Unan­nehm­lich­kei­ten, die ent­ste­hen könn­ten, wenn er auf die For­ma­li­tät beharrt. Die­sen Rat habe ich auch von mei­nem Onkel bekom­men, der jah­re­lang im Kun­den­dienst gear­bei­tet hat.

    • Guten Abend Herr Lobin­ger! Ja, so ist man gewiss auf der siche­re­ren Seite. Was mich per­sön­lich betrifft, ich glaube es zu „füh­len“, wenn die dafür not­wen­dige Nähe, Ver­traut­heit und Ver­bun­den­heit mit einem Kun­den bereits aus mei­ner Sicht quasi „erar­bei­tet“ wurde. Dann habe ich auch kein Pro­blem damit, trotz „Knigge“ den ers­ten Schritt zu machen und das Du anzu­bie­ten.

  5. Sehr schö­ner Arti­kel - auch ich möchte hier etwas dazu bei­tra­gen.

    Kom­mu­ni­ka­tion mit einem gro­ßen Online-Fahr­rad­händ­ler - mein Mann hatte dort vor Jah­ren ein Renn­rad gekauft und sich wegen einer tech­ni­schen Frage in ganz nor­ma­ler höf­li­cher Form per Mail an den Kun­den­ser­vice gewandt - außer­dem woll­ten wir nun für unsere 2 Kin­der dort wie­der Renn­rä­der kau­fen - was wir nach der Kom­mu­ni­ka­tion nicht mehr machen wer­den.

    Die Ant­wort kam in kum­pel­haf­ter „Du“-Form - wobei das „Du“ in der Mail die ganze Zeit auch noch klein geschrie­ben war.

    Dar­auf hatte mein Mann zurück­ge­schrie­ben, daß er, wenn er den Kun­den­dienst in der „Sie“-Form anschreibt, eine Ant­wort in der „Du“ Form als unhöf­lich und respekt­los emp­fin­det und auch auf das mitt­ler­weise übiche Miß­ver­ständ­nis hin­ge­wie­sen, daß die Ame­ri­ka­ner und Eng­län­der sich ja angeb­lich alle duzen wür­den - was sie ja nicht tun - das noch bei Shake­speare übli­che „Du“ (thou) wurde abge­schafft, weil man es als unhöf­lich emp­fand.

    Als Ant­wort kam dann: „danke für Ihre Rück­info. Das ist gar kein Pro­blem für uns - wir reden Sie natür­lich gerne auch wunsch­gem. mit Sie an.“ Ich muß als Kunde also erst mei­nen Wunsch äußern, gesiezt zu wer­den - wie frech und arro­gant ist denn das?

    Aber mein Mann ließ nicht locker und hat wie­der zurück­ge­schrie­ben und doch darum gebe­ten, die Ant­wort an das Manage­ment wei­ter­zu­lei­ten. Und der Mana­ger hat dann tat­säch­lich geant­wor­tet - gera­dezu exem­pla­risch für den ober­fläch­li­chen Zeit­geist - des­halb hier den gan­zen Wort­laut:

    Das wir unsere Kun­den mit dem Du anspre­chen, das hat keine Mar­ke­ting­firma hier rein­ge­bracht, das haben wir als Team vom Kun­den­ser­vice selbst­stän­dig erar­bei­tet. Denn das, was uns hier alle ver­bin­det, das ist das Rad­fah­ren. Und kei­ner von uns würde jeman­den auf einer gemein­sa­men Aus­fahrt mit Sie anspre­chen. Unter Sport­lern ist das auch die ein­hel­lige Mei­nung, egal ob bei der sonn­täg­li­chen RTF, der Rad­tour mit der Fami­lie oder beim Trai­ning eines Pro­fis.

    Dazu kommt noch, das wir ein jun­ges, moder­nes Unter­neh­men mit aller­dings einer lan­gen Tra­di­tion sind. Das soll­ten Sie aber ja wis­sen, denn das von Ihnen gekaufte Rad ist ja bereits 23 Jahre alt und auch davor gab es die Firma XXX schon lange. Soll­ten unsere Fir­men­phi­lo­so­phie, unsere Aus­rich­tung und unsere Kom­mu­ni­ka­tion nicht zu Ihren Wer­ten pas­sen, dann ist das auf jeden Fall Schade, aber das hat uns die 113 jäh­rige Geschichte der Firma geleert, wir kön­nen es nicht allen Recht machen.

    In die­sem Sinne, auch ich wün­schen Ihnen und ihrer Fami­lie ein geseg­ne­tes Weih­nachts­fest, blei­ben Sie gesund und kau­fen Sie ihren Kin­dern auf jeden Fall ein paar ver­nünf­tige Fahr­rä­der, auch wenn sie nicht von uns sein wer­den 😉“

    Und die Email wird dann dank der vor­herr­schen­den Infan­ti­li­sie­rung unse­rer Gesell­schaft mit einem Smi­ley been­det.

    • Guten Tag Frau Bie­ger und herz­li­chen Dank, dass Sie diese span­nende Geschichte hier mit uns geteilt haben. Meine Bera­ter­seele schreit vor Schmer­zen ganz laut auf, wenn Unter­neh­men gänz­lich ohne Not ihre Kun­den ver­prel­len.

      In mei­nem Fol­ge­bei­trag habe ich die fol­gende Emp­feh­lung aus­ge­spro­chen, die augen­schein­lich recht gut zu die­sem Unter­neh­men passt:

      Auch dann, wenn das Duzen in Ihrer Bran­che Usus sein sollte, lohnt es sich mei­nes Erach­tens, sich vor­sichts­hal­ber zu fra­gen:

      • Wieso bin ich mir sicher, dass es tat­säch­lich gewollt und prä­fe­riert ist und nicht ein­fach tole­riert?
      • Wieso bin ich mir sicher, dass das Thema (unter­be­wusst) emo­tio­nal posi­tiv, zumin­dest neu­tral, belegt ist und nicht nega­tiv?
    • Sehr geehr­ter Herr Ghaf­fari,

      vie­len Dank für Ihre Rück­mel­dung - man spürt regel­recht das „über­le­gene Lächeln“ bei sei­ner Ant­wort - und er merkt nicht ein­mal, wie er sich wider­spricht. Ein jun­ges, moder­nes Unter­neh­men mit 123-jäh­ri­ger Tra­di­tion - aha. Beson­ders schön ist der freud­sche Schreib­feh­ler: „aber das hat uns die 113 jäh­rige Geschichte der Firma geleert (!!!), wir kön­nen es nicht allen Recht machen.“ Wenn man dann noch bedenkt, daß so ein Renn­rad pro Stück ca. 1300 Euro kos­tet - unglaub­lich.

  6. ich habe gerade Ihren Arti­kel zur Unsitte des Duzens in der Wer­bung gele­sen und stimme voll­stän­dig damit über­ein. Sogar mein Strom­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men sen­det mir nicht nur vor­ge­druckte, son­dern auch indi­vi­du­ell ver­fasste Post und E-Mails in die­ser unver­schäm­ten „ver­ba­len Grab­sche­rei“, die ich stets mit gehar­nisch­ten Wor­ten zurück­weise und für die ich kei­nes­falls Ver­ständ­nis für die „Annä­he­rung an unsere Kun­den“ auf­bringe.

    Ich hoffe, Sie blei­ben am Ball und machen es deut­lich, dass diese unge­be­tene Duze­rei kei­nes­wegs gut ankommt, son­dern ledig­lich anwi­dernd ist.

  7. Diese Duze­rei ver­blüfft mich sehr. Habe vor kur­zem einen neuen Mobil­funk­ver­trag abge­schlos­sen und da wird nicht nur auf deren Web­seite geduzt, son­dern auch im Brief. Und neu­er­dings im Kata­log von einem Ver­sand­händ­ler werde ich auch geduzt und mag das gar nicht. Gehen die davon aus, dass das irgend­eine Nähe und Ver­trau­lich­keit auf­baut, diese auf­dring­lich-plumpe Duze­rei?

  8. Ich (Jahr­gang 1981) unter­schreibe Ihre Ana­lyse Wort für Wort.

    Beim Otto-Ver­sand ist mir wört­lich fol­gen­des mit­ge­teilt wor­den: „Sie ken­nen uns aber auch als Vor­rei­ter. Immer wie­der spü­ren wir für Sie die Trends auf – sei es in der Mode oder in der Tech­nik. Für uns bedeu­tet das: Wir wol­len mit Neue­run­gen Schritt hal­ten – oder ihnen sogar vor­an­ge­hen.
    Und weil das „Du“ im Inter­net, vor allem in den sozia­len Medien, schon lange Gang und Gäbe ist, haben auch wir uns zu die­sem gro­ßen Schritt ent­schie­den.“

    Klarna teilte auf Anfrage im Kun­den-Chat mit: „Wir wol­len uns ja auch auf bestimmte Ziel­grup­pen kon­zen­trie­ren.“

    Mit ande­ren Wor­ten: Klarna und Otto sind so wahn­sin­nig hip und fort­schritt­lich, da ist der bie­dere und gest­rige Kunde mit Ende drei­ßig raus. Ich kann mit Otto nicht mehr Schritt hal­ten, Pech gehabt. Nicht zu reden von der Genera­tion mei­ner Eltern, die als Ziel­gruppe schlicht und ergrei­fend nicht mehr vor­kommt.

    Meine Ver­mu­tung: Die Mar­ke­ting-Abtei­lun­gen sind größ­ten­teils extrem homo­gen zusam­men­ge­setzt, der Alters­durch­schnitt sehr nied­rig.

    Dem Durch­schnitts­men­schen ist völ­lig klar, dass er die Kom­mu­ni­ka­tion in den sozia­len Medien nicht eins zu eins auf jede All­tags­si­tua­tion über­tra­gen kann. Das „Duck­face“, das auf Insta­gram viel­leicht ange­mes­sen ist, wirkt im Vor­stel­lungs­ge­spräch eher deplat­ziert. Die Duze­rei, die in einem Tech­nik­fo­rum ver­brei­tet ist, ist aus­ge­spro­chen unhöf­lich, wenn ich beim Kun­den­dienst anrufe. Und wenn ich ältere Men­schen in einem Online­fo­rum duze, dann bedeu­tet das nicht, dass ich durch den Bus brülle: „Ey, Oppa, willst du dich hin­set­zen?!“

    Die Mar­ke­ting-Abtei­lun­gen sind lei­der nicht mit Durch­schnitts­men­schen besetzt. Also wer­den „Omma“ und „Oppa“ bei Rewe, Otto oder Klarna gna­den­los her­ab­las­send ange­rotzt und es fällt nie­man­dem auf, wie pein­lich und unpro­fes­sio­nell das wirkt.

    • Guten Tag und vie­len Dank für Ihre poin­tierte Ana­lyse.

      Was mich betrifft, die Aus­sage „Wir wol­len uns ja auch auf bestimmte Ziel­grup­pen kon­zen­trie­ren“ kann ich leicht und ohne Groll akzep­tie­ren. Das ist (unge­wollt?) ehr­lich. Ich finde, jeder Verkäufer/​ jedes Unter­neh­men hat das gute Recht dazu. Als Kunde habe ich Klar­heit und kann meine Kon­se­quen­zen dar­aus zie­hen.

      Was ich per­sön­lich nicht lei­den kann, sind Mogel­pa­ckun­gen. Wenn bei­spiels­weise das Unter­neh­men zwar sagt „Wir füh­ren das ein, weil wir zei­gen wol­len, dass Du uns wich­tig bist“, „…weil wir eine gute Bezie­hung mit Dir haben wol­len“, o. Ä., aber durch die Reak­tion auf mei­nen Ein­wand oder auch sonst im Umgang mit mir in der Geschäfts­be­zie­hung wie­der­holt den Beweis lie­fert, dass das nicht wahr ist.

  9. Ich möchte auch gerne im Geschäfts­brief gesiezt wer­den, wobei es mir auch wich­tig ist, was davor steht. Zwi­schen „Sehr geehrte/​r“, „Liebe/​r“ und „Hallo“ ist ja auch noch­mal ein gro­ßer Unter­schied. Ich möchte einen Unter­schied haben zwi­schen dem Anschrei­ben von Ikea und der E-Mail von einem Freund. Da grätscht mir z. B. Ikea zu sehr ins Pri­vate. Außer­dem hat es kei­nen Stil, die­ses kum­pel­hafte „Du“. In einer Kneipe widerum fühle ich mich mit dem „Du“ sehr wohl, da bin ich dann Teil einer Gemein­schaft, die ich gesucht habe. Das ist beim Geschäfts­brief, mit dem mir etwas ver­kauft wer­den soll defi­ni­tiv nicht der Fall.

    • Das, was Sie hier schrei­ben, ist die Zusam­men­fas­sung der hie­si­gen Men­ta­li­tät. Das, was wirk­lich viele Men­schen hier­zu­lande als voll­kom­men selbst­ver­ständ­lich und nor­mal emp­fin­den. Das Trau­rige daran ist doch, dass man das heut­zu­tage extra erwäh­nen muss. Ich bin zuver­sicht­lich, dass das Ergeb­nis der von mir neu ein­ge­stell­ten Umfrage Ihre Aus­sage unter­strei­chen wird.

  10. Ich habe es erreicht, dass mich der Kun­den­dienst von Otto wie­der Sietzt. Ich habe den Herr­schaf­ten eine ent­spre­chende Mail geschrie­ben in der ich mir das Dut­zen ver­be­ten habe, da ich weder deren Haus­sklave bin, noch mit ihnen gemein­sam Schweine gehü­tet habe.
    Es wird nicht immer klap­pen, dann bre­che ich aber die Kom­mu­ni­ka­tion ab. Ich bin aber beru­higt, dass ich nicht die Ein­zige bin, die sich an diese Unsitte nicht gewöh­nen will. Es ist auch ein­fa­cher du Idiot zu sagen als Sie Idiot - das wäre eine Belei­di­gung.

  11. Sehr geehr­ter Herr Ghaf­fari,
    herz­li­chen Dank für Ihren ein­sichts­vol­len Arti­kel.
    Ich möchte ergän­zen, daß viele Unter­neh­men beim Duzen der Kun­den, die sie gewin­nen bzw. behal­ten wol­len, zusätz­lich die Unsitte pfle­gen, beim Anschrei­ben das Du klein­zu­schrei­ben. Ich bin so erzo­gen wor­den, im Anschrei­ben an Freunde und gute Bekannte IMMER das Du groß­zu­schrei­ben. Auch hier gilt es näm­lich, dem Adres­sa­ten gegen­über auf diese (Schreib)Weise sei­nen Respekt aus­zu­drü­cken.

    • Guten Abend und danke für Ihre gute Anmer­kung. Sofern ich die Duden-Aus­le­gung rich­tig deute, han­delt es sich um eine Kann-Vor­gabe. Man kann groß­schrei­ben, wenn man eine Per­son per­sön­lich anre­den möchte. Und hier trennt sich womög­lich die sub­jek­tive Aus­le­gung die­ser Kann-Vor­gabe. Denn für mich ist „per­sön­lich anre­den“ aus­nahms­los an die Bedin­gung geknüpft, dass ich die Per­son per­sön­lich kenne oder zumin­dest das Indi­vi­duum anschrei­ben möchte. Das wäre im geschäft­li­chen Kon­text der Fall, wenn das mich duzende Unter­neh­men mich z. B. bezüg­lich mei­ner letz­ten Bestel­lung anschreibt. Dies vor­aus­ge­schickt, was mich betrifft, schlimm genug, wenn ich in einer Wer­be­mail auf­grund einer Pseudo-Bezie­hungs­ge­stal­tung unge­fragt geduzt werde, es würde für mein Emp­fin­den durch die Groß­schrei­bung sogar eins dar­auf gesetzt, wenn es für mich klar ersicht­lich ist, dass eine Mas­sen­mail an viele ver­schickt wurde.

  12. Wie erfri­schend Ihr Arti­kel zu lesen ist! Vie­len herz­li­chen Dank dafür. Meine Genera­tion (ich bin 1988 gebo­ren) wird auch lie­ber gezi­est, bzw ist es den meis­ten auch lie­ber, erst ein­mal gefragt zu wer­den! Ich fiel aus allen Wol­ken, als ich meine Schwes­ter vor eini­gen Wochen zur Haspa beglei­tete. Sie nutzt kein Online-Ban­king, wäh­rend ich eigent­lich alles immer online regel. Des­we­gen war ich auch sehr lange nicht mehr per­sön­lich in der Bank.
    Jeden­falls bekam ich mit, dass die Dame am Schal­ter meine Schwes­ter duzte! Zuerst dachte ich, ich hätte mich viel­leicht ver­hört oder es war der Dame pas­siert, weil sie meine Schwes­ter für jün­ger hielt (Obwohl sie ihren Aus­weis in der Hand hielt), da bekam ich mit, wie ein Mann neben uns, ebenso geduzt wurde! Das hätte ich nie erwar­tet, immer­hin ist die Haspa ein älte­res Unter­neh­men, von dem ich doch schon Seriö­si­tät erwar­tete!
    Sie haben Recht, es soll­ten sich mehr Men­schen dage­gen weh­ren und sich beschwe­ren, dann wird es hof­fent­lich zurück gehen! Ihr Arti­kel hat mich ermu­tigt, ebenso wie die Kom­men­tare hier.
    Freund­li­che Grüße

    • Guten Mor­gen Frau Meyer und danke für Ihr gutes Bei­spiel.

      Und was ist bitte daran so schwer respekt­voll zu sein?“ Ich denke eben nicht, dass die Unge­fragt-Duzer respekt­los sein wol­len. Sie haben viel­mehr eine nar­ra­tive Erklä­rung im Kopf, die dafür sorgt, dass das Duzen in der eige­nen Wahr­neh­mung als etwas Posi­ti­ves (fehl-)gedeutet wird: cool, modern, …

      Das Argu­ment „es ist in Schwe­den so üblich“ o. Ä kommt in der Tat oft vor. Ich ant­worte gerne dar­auf: „Und in Japan gibt es ein Du auf Augen­höhe plus ein hier­ar­chi­sches Von-oben-nach-unten-gespro­chen-Du, es gibt ein Sie auf Augen­höhe plus ein hier­ar­chi­sches Von-unten-nach-oben-gespro­chen-Sie. Und ich glaube in Korea gibt es sogar noch mehr Vari­an­ten. Und nun?“

  13. Ich werde auch stän­dig respekt­los geduzt und trotz des Hin­wei­ses, dass ich das nicht möchte, wird das ein­fach nicht akzep­tiert. Bei­spiel: Bei Klarna wurde mir auf mei­nen Hin­weis, dass ich nicht geduzt wer­den möchte mit­ge­teilt, dass das ein schwe­di­sches Unter­neh­men und es in Schwe­den so üblich ist zu duzen. Das ist ja alles ganz schön und gut, aber ich bin in Deutsch­land und in dort wird nicht ein­fach unge­fragt geduzt. Wenn ich gefragt wer­den, ob ich damit ein­ver­stan­den bin, ist das ja okay. Aber ich bin so erzo­gen wor­den alle Men­schen erst­mal zu sie­zen. Und was ist bitte daran so schwer respekt­voll zu sein?

  14. Wenn ich Wer­be­sen­dun­gen bekomme, auf denen ich bereits auf dem Umschlag geduzt werde, ver­wei­gere ich die Annahme, mit dem Hin­weis „Annahme-Ver­wei­ge­rung wegen Duze­rei“.

  15. Mein Kom­pli­ment zu Ihrem Arti­kel, den ich voll und ganz unter­schreibe. Die gras­sie­rende Nivel­lie­rung nach unten macht weder vor unse­rer Spra­che noch vor den ele­men­ta­ren Ver­hal­tens­re­geln halt und sollte wirk­lich nicht (still lei­dend) tole­riert wer­den.

    Meine Stan­dard­ant­wort auf unge­be­tens Duzen lau­tet „Kenne wir uns oder warum Duzen Sie mich ?“ Das ist durch­aus noch freund­lich und erzielt die gewünschte Wir­kung, wenn­gleich erst nach einem durch­aus wahr­nehm­ba­ren Aus­druck des ungläu­bi­gen Erstau­nens. Die meis­ten Leute sind sich Ihres faux­pas nicht ein­mal bewußt, wech­seln aber dann doch zum Sie.

    Als poten­ti­el­ler Kunde reagiere ich all­er­gisch, „duzende“ TV- oder Radio­sen­der wer­den gelöscht (es blei­ben aber nicht mehr viele über), Wer­be­mails abbe­stellt, Geschäfte gemie­den. Ver­mut­lich alles ein aus­sichts­lo­ser Kampf, aber wenn schon unter­ge­hen dann zumin­dest mit Stil !

    • Vie­len Dank für Ihr freund­li­ches Feed­back.

      […] Wer­be­mails abbe­stellt, Geschäfte gemie­den. Ver­mut­lich alles ein aus­sichts­lo­ser Kampf, aber wenn schon unter­ge­hen dann zumin­dest mit Stil
      Die Chance kann man ein klein wenig posi­tiv beein­flus­sen, indem man einen Satz dazu schreibt, warum man die Geschäfts­be­zie­hung been­det. Denn wenn meh­rere das tun, erhöht das die Chance, dass jemand im Unter­neh­men mit einem kla­ren Ver­stand ein Ein­se­hen hat.

  16. Mei­ner Mei­nung nach sollte das Sie­zen unbe­dingt bei­be­hal­ten wer­den. Sie­zen ist eine berech­tigte Höf­lich­keits­form. Erst wenn der Gegen­über oder man sel­ber das Du ange­bo­ten hat, kann geduzt wer­den.

  17. Sie spre­chen mir sowas von aus der Seele! Ich ärgere mich gerade mit Ulla Pop­ken rum, die mich seit eini­ger Zeit duzen und mit dem Vor­na­men anre­den. Dau­ernd bekam ich Wer­bung per Post auf der sol­che Dinge wie „Ingrid, besu­che unse­ren neuen Shop“, „Ingrid, wir haben schon lange nichts von dir gehört“ oder „Ingrid, hier gib­t’s Pro­zente“, stand. Dann fing es im Inter­net an. „Danke für deine Bestel­lung!“, „Dein Paket ist unter­wegs“ usw.
    Ich habe eine Beschwerde an die Kun­den­be­ra­tung geschrie­ben. Ant­wort - Tut ihnen leid, dass ich mich daran störe. Sie machen dass, weil sie die per­sön­li­che Kom­mu­ni­ka­tion mit mir wün­schen und sie nicht wegen mei­ner Mail das „Du“ wie­der in „Sie“ umwan­deln kön­nen. Gerech­ter­weise muss ich sagen, dass diese Ser­vice­mit­ar­bei­te­rin mich nicht duzte. Ich schrieb zurück, dass ich mit ihnen kei­ner­lei „per­sön­li­che Kom­mu­ni­ka­tion“ wün­sche, da es eine Geschäfts­be­zie­hung ist. Das per­sön­li­che ist Fami­lie und Freun­den vor­be­hal­ten. Dazu schi­cke ich einen Link mit einem Arti­kel, in der eine Umfrage ange­zeigt war, in der fast
    80% der Befrag­ten die duze­rei ablehn­ten.
    Vor eini­gen Jah­ren hatte ich diese Debatte bereits mit einem ande­ren Ver­sand­han­del. Nach vie­len Pro­tes­ten der Kun­den haben die das geduze wie­der zurück­ge­nom­men. Ich habe mein Konto dort aller­dings bereits gekün­digt. Werde ich bei Pop­ken wohl auch machen, wenn die das nicht ändern.
    Also noch­mal vie­len Dank für die­sen Arti­kel. Da haben sie mir neue Muni­tion in die Hand gege­ben.

    • Vie­len Dank für Ihr freund­li­ches Feed­back.

      Dazu schi­cke ich einen Link mit einem Arti­kel, in der eine Umfrage ange­zeigt war, in der fast 80% der Befrag­ten die duze­rei ablehn­ten.

      Wenn es keine gro­ßen Umstände macht, wären Sie so freund­lich, den Link hier mit uns zu tei­len? Vie­len Dank im Vor­aus.

  18. Ich muss zuge­ben, dass ich aus einem kon­ser­va­ti­ven Umfeld stamme und es ver­wun­dert mich sehr, dass man sich im Inter­net duzt, solange man nicht längst bekannt ist. Ein­mal hatte ich es mit einer Dar­stel­le­rin für Erwach­se­nen­filme zu tun. Zwar weiß ich, dass diese einen infor­mel­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stil bevor­zu­gen (Duzen), aber auf­grund mei­ner eher kon­ser­va­ti­ven Men­ta­li­tät wusste ich nicht, ob ich sie bzw. ihren Kun­den­ser­vice duzen oder sie­zen sollte. Da ich ihr gegen­über sehr ner­vös war, musste ich dadurch den Kon­takt abbre­chen. Im fran­zö­sisch­spra­chi­gen Inter­net, soweit ich weiß, siezt man sich. Außer­dem bin ich sehr froh, dass ich keine sozia­len Netz­werke mehr benutze und zwar auf­grund zahl­rei­cher unge­schrie­be­nen Regeln, u.a. duzen, zahl­rei­che Fotos pos­ten oder zahl­rei­che „Freunde“ haben. Ich muss sagen, dass mir der kon­ser­va­tive Kul­tur­kreis mit sei­nen kla­ren Ver­hal­tens­mus­tern immer näher lag und ich hoffe sehr, immer da zu blei­ben. Es tut mir auch leid für ältere Leute, die beim Kun­den­ser­vice das Sie­zen bevor­zu­gen.

  19. Als wenn sich alle abge­spro­chen hätten!Weil mich Lidl beson­ders geär­gert hat, habe ich fol­gen­den Kom­men­tar bei „Mei­nun­gen“ geschrie­ben:
    Du, Herr Schwarz, ich war heute in Dei­ner Filiale in Brühl. Deine Mit­ar­bei­te­rin­nen dort sind wirk­lich ganz toll. Aber was mir nicht gefällt: In allen Dei­nen Pro­spek­ten und Pla­ka­ten redest Du mich mit „Du“ an. Dabei ken­nen wir uns gar nicht. Gibt es bei Dir keine Höf­lich­keit mehr, sind Deine Kun­den von jetzt an auch Deine Kum­pels? Mir gefällt diese Art der Anspra­che nicht. Warum zer­störst Du auf diese Weise alte Tra­di­tio­nen? Du bekommst von mir - und sicher vie­len ande­ren Kun­den - eine ganz dicke Rüge. Schäm‘ Dich.
    Ich habe keine Ant­wort erhal­ten.

    • Mit Ihrem Kom­men­tar haben Sie gewiss Ein­druck bei Herrn Schwarz gemacht. So etwas bekommt er sicher nicht oft zu sehen.
      Ich weiß es nicht, darf aber mut­ma­ßen: Die Fili­al­lei­ter haben wenig/​kaum Ein­fluss auf die zen­tral gesteu­er­ten Mar­ke­ting-Akti­vi­tä­ten des Kon­zerns. Hof­fent­lich gibt er aber Ihr „Feed­back“ wei­ter an die Mar­ke­ting­ab­tei­lung. Wenn sie öfters sol­che Feed­back bekä­men, wer weiß …
      Apro­pos „als wenn sich alle abge­spro­chen hät­ten“, ich habe den Ein­druck das könnte sich so abspie­len: Ein Unter­neh­men fängt mit einer Aktion an und alle ande­ren den­ken: „Die wer­den sich wohl was dabei gedacht haben. Also machen wir es auch“. Ich wün­sche Ihnen einen schö­nen Abend und blei­ben Sie gesund.

  20. Moin. Mir fiel das Ganze erst­mals vor ca 6-7 Jah­ren im Apple Store(HH) an der Genius Bar auf. Mit 43 habe ich pri­vat über­haupt kein Pro­blem in der Kneipe oder am nach­bar­schaft­li­chen Kiosk geduzt zu wer­den. Wenn ich aber pri­vat einen Ser­vice oder Kauf­ver­trag abschließe, möchte ich gefragt wer­den und meine Ant­wort lau­tet „Sie bitte“. Beim Du geht doch schnell der Respekt ver­lo­ren. Auf Fra­gen, bekommt man eine unzu­rei­chende Ant­wort oder auch mal schnell nen Spruch gedrückt. „Is cool…“ Als ich das letzte mal Google Maps mit Sprach­aus­gabe genutzt habe, musste ich im Auto kurz aus­flip­pen, als das Navi mich Duzte…“
    Bei mei­nem lang­jäh­ri­gen Job an der Uni­kli­nik kenne ich einige Chef- und Ober­ärzte, die ich duze. Beim Ken­nen­ler­nen waren die , ich sag mal „frisch von der Uni“. In jeg­li­chem Schrift­ver­kehr oder in bereichs­über­grei­fen­den Sit­zun­gen wird das Sie benutzt. Wenn ich mich umhöre, möch­ten die meis­ten gefragt wer­den.

    • Wenn ich mich umhöre, möch­ten die meis­ten gefragt wer­den.“ Ja, das ist auch meine Wahr­neh­mung. Vie­len Dank für Ihre guten Bei­spiele.

  21. Vie­len Dank für Ihren guten Arti­kel.
    Ich bin war noch recht jung, emp­finde es aber auch als unhöf­lich, wenn im geschäft­li­chen Kon­text ein­fach das Du zur Anwen­dung kommt. Zum Bei­spiel wenn Lidl einen in der Wer­bung ein­fach mit du anspricht. Oder die Free­net News­let­ter à la „Mar­kus, wie viel ist dein Auto noch wert?“ etc. Das stärkt mMn nicht die Kun­den­bin­dung, son­dern ist für mich respekt­los. Eine unge­fragte und nicht vor­han­dene Nähe sug­ge­rie­rend.

    P.S.
    Wenn mann hier, wie auch auf ande­ren Web­sei­ten kom­men­tiert, steht fol­gen­des über dem Ein­ga­be­feld:

    Schreibe einen Kom­men­tar
    Deine E-Mail-Adresse wird nicht ver­öf­fent­licht. Erfor­der­li­che Fel­der sind mit * mar­kiert.“

    Ohne Worte.….

    • Schreibe einen Kom­men­tar […]”

      Danke für den guten Hin­weis. Das ist wohl der auto­ma­ti­sche Text von Wor­d­Press (WP). Daher fin­den Sie ihn hier und auf ande­ren (WP-)Websites vor. Das wäre somit ein wei­te­res Bei­spiel für meine These: „Vor allem Unter­neh­men rund um The­men, die das Online-Geschäft betref­fen, schei­nen keine andere Alter­na­tive mehr zu ken­nen“. Lei­der weiß ich nicht, wie ich den Text anpas­sen könnte bzw. ob man ihn über­haupt (mit ver­tret­ba­rem Auf­wand) anpas­sen kann. Soll­ten Sie es wis­sen, danke im Vor­aus für die Info.

      Nach­trag 1.7.20: Habe ihn end­lich ange­passt bekom­men :)

  22. Ich ärgere mich eben­falls über das plumpe Geduze.
    Ja - auch bei IKEA
    Auch bei Bon­prix
    und diver­sen ande­ren.
    Ich emp­finde das als unan­ge­nehme Unsitte und im Umgang mit frem­den Men­schen schlicht­weg unan­ge­bracht.
    Auch das schwä­bi­sche Pseu­do­ge­duze geht mir auf den Geist.
    Bei­spiel: jemand steht im Laden und fragt:
    „habt ihr …“
    Oder das Bau­stel­len-du.
    Ich bin am Reno­vie­ren und emp­finde es als ziem­lich respekt­los, von Hand­wer­kern stan­dard­mä­ßig geduzt zu wer­den.

    Angeb­lich scheint es auch bei Behör­den vor­zu­kom­men, dass man Leute duzt.
    Das kenne ich zwar nicht aus eige­ner Anschau­ung, aber es ist mir schon zu Ohren gekom­men, dass Poli­zis­ten hin und wie­der fremde Per­so­nen duzen.

    In einem eng­lisch­spra­chi­gen Vor­trag habe ich ein­mal gehört:
    people live up to your expec­ta­ti­ons
    or down to your expec­ta­ti­ons.

    Ähn­lich ist das mit dem plum­pen „du“.
    Wenn ich jeman­dem wenig Wert­schät­zung ent­ge­gen­bringe kriege ich das halt auch so zurück.

    • Vie­len Dank! War „das schwä­bi­sche Pseu­do­ge­duze“ schon immer so, oder eher eine neue Mode­er­schei­nung? Im erst­ge­nann­ten Fall hätte ich per­sön­lich ver­mut­lich als Ver­käu­fer im besag­ten Laden die Situa­tion unter „Vari­ante 2“ ein­ge­stuft und für mich akzep­tiert und abge­hakt. Aller­dings hätte ich die Besu­cher erst gesiezt, bis sie mich duzen, und wäre dann wohl eben­falls auf Du über­ge­gan­gen. Und als Kunde käme ich nir­gendwo auf die Idee, einen Ver­käu­fer ein­fach so zu duzen.

    • Hallo,
      ich bin gerade auf diese Dis­kus­sion auf­merk­sam gewor­den, weil ich mich dar­über geär­gert habe, als Geschäfts­kunde auf der Web­site von Mobil­com Debi­tel unge­fragt geduzt zu wer­den. Habe dann ein biss­chen im Inter­net nach „Gleich­ge­sinn­ten“ oder viel­leicht eher auch „Gleich­ge­nerv­ten“ gesucht.
      Ich stimme Ihnen allen hier im Wesent­li­che bei, sehe vie­les ganz genau so. Im All­tag, geschäft­lich wie pri­vat ver­wende ich erst ein­mal das „Sie“, das als höf­li­che Anrede mei­nen Respekt gegen­über mei­nem Gesprächs­part­ner signa­li­siert. Das „Du“ ist bestimm­ten Situa­tio­nen vor­be­hal­ten. Natür­lich gegen­über Freun­den und guten Bekann­ten. Aber auch dann, wenn das „Sie“ unge­wollte und unnö­tige Distanz ver­mit­telt. Jemand hier schrieb vom Duzen in der Kneipe, wenn alle sich duzen. Da wäre mei­ner Ansicht nach ein „Sie“ völ­lig fehl am Platz, ja sogar irgend­wie arro­gant und abwei­send. Und ich will mich ja nicht selbst ins Abseits stel­len.
      Aber eines möchte ich an die­ser Stelle noch los­wer­den zu Angela, der das schä­bi­sche Pseudo Duzen auf den Geist geht:
      Ich bin kein Schwabe, son­dern Hesse, aber ich weiß, daß das im süd­deut­schen Sprach­raum (Hes­sen, Fran­ken, Bay­ern, Schwa­ben etc.) so üblich ist. Und es ist auch kein „Pseudo Geduze“. Wer das behaup­tet, hat es nicht ver­stan­den. Viel­leicht kommt Angela aber auch nicht aus unse­rem Sprach­raum?
      Die Süd­deut­sche Zei­tung hat vor eini­gen Jah­ren sogar ein­mal einen Arti­kel über die beson­dere süd­deut­sche Form des „Ihrzens“ (hieß dort wirk­lich so) gebracht. Voll­kom­men rich­tig hieß es dort, daß damit eine Gruppe von Men­schen sowohl ver­trau­lich als auch distan­ziert höf­lich ange­spro­chen wer­den kann, im Gegen­satz zur Anrede eines ein­zel­nen Men­schen aus der­sel­ben Gruppe, der dann u.U. durch­aus gesiezt wird.
      Bsp.:
      Ich gehe in ein Geschäft und sieze den Ver­käu­fer, Herrn Mül­ler-Maier.
      Und ich frage ihn viel­leicht:
      Herr Mül­ler-Maier, habt Ihr denn dies und das? Ach ja, dann geben Sie mir doch bitte mal zwei davon.
      In Hes­sen durch­aus nor­mal. In Fran­ken übri­gens auch.
      Wir waren vor einige Zeit abends nach einer Rad­tour mit meh­re­ren Freun­den in eine frän­ki­sche Wein­stube ein­ge­tre­ten. Es war noch ein ein­zi­ger Tisch frei, lei­der aber nicht genü­gend Stühle am Tisch. Schon beugte sich ein Gast vom Nach­bar­tisch (dort gab es noch freie Stühle) her­über und fragte: Wollt Ihr noch ein paar Stühle? Dar­auf­hin ich: Klar, wenn Ihr die nicht braucht. Dar­auf­hin ent­spann sich ein net­tes Gespräch von Tisch zu Tisch, in dem wir uns gegen­sei­tig siez­ten und ihrz­ten. „Sie“ in der indi­vi­du­el­len Anspra­che („Pro­bie­ren Sie mal die­sen Wein“), „Ihr“ in der Anspra­che der gan­zen Gruppe („Wo kommt Ihr her?“).
      Das ist hier völ­lig nor­mal, und wenn es einem Zuge­reis­ten nicht gefällt, sollte er viel­leicht nicht hier­her zie­hen. Unsere mit­ge­reis­ten Freunde aus West­fa­len hat­ten damit auch so ihre Pro­bleme, bis ich ihnen das erklärt hatte.
      Andere Län­der, andere Sit­ten.
      Nicht krumm neh­men, liebe Angela.
      Gruß
      Ste­fan

  23. Ich, als fast 80-Jäh­ri­ger, reihe mich voll über­zeugt bei den „SIE­zern“ ein. Es ärgert mich stets beim Erhalt der Wer­bun­gen, dass kaum eine Seite ohne ein „Du, Dein/​e, Euch“ udgl. aus zu kom­men scheint. Ikea hat mich mit Hilfe des Duzens ver­trie­ben und Lidl, Rewe usw. sind auch nicht mehr meine Ein­kaufs­stät­ten. Da inzwi­schen Die San­tan­der­bank nur noch mei­nen Vor­na­men benutzt und mein Wider­spruch mit „Sie sind ein alt­mo­di­scher Mecke­rer“ beant­wor­tet, beende ich zum Jah­res­ende die über 25 Jahre bestehende Bezie­hung

  24. Ich habe gerade von OTTO Flyer und E-Mails bekom­men, in denen ich gedutzt und mit Vor­na­men ange­spro­chen wurde. Ich habe mich dage­gen ver­wahrt, hat aber keine Wir­kung. Ich gehe auf die 80 zu und möchte nicht von Frem­den gedutzt wer­den, auch nicht, wenn Sie schrei­ben, „Deine E-Mail-Adresse “ wird nicht ver­öf­fent­licht. Ist ja ganz nett, es hätte aber gereicht „Die E-Mail.…“

    • Vie­len Dank für Ihren Kom­men­tar. In mei­nem Fach­bei­trag „Mar­ke­ting-Sprech ist all­ge­gen­wär­tig“ betrachte ich kri­tisch die Rolle von Mar­ke­ting in Unter­neh­men und komme u. a. zu die­sem Ergeb­nis:

      Das Pro­blem von Mar­ke­ting ist, dass es sich der (ver­meint­li­chen) Spra­che der Ziel­gruppe bedie­nen möchte, um den Ein­druck zu erwe­cken, dass es dem Unter­neh­men darum geht, eine gute Bezie­hung mit den Kun­den gestal­ten zu wol­len. Und es ist trau­rig, dass man es nicht mal mit­be­kommt, wenn man eigent­lich das genaue Gegen­teil bewirkt. Spe­zi­ell in einem sol­chen Fall:

      Wenn Jugent­li­che den Groß­teil der Kun­den von Otto stel­len wür­den, was ich trotz feh­len­dem Ein­blick mir erlaube aus­zu­schlie­ßen, dann könnte ich das ja noch ein Stück weit nach­voll­zie­hen. Aber die Atti­tüde stur auf­recht zu erhal­ten, obgleich der Kunde sich dage­gen ver­wahrt, ist in der Tat sehr ent­täu­schend.

  25. Vie­len Dank für die­sen Bei­trag.
    Ich dachte schon, ich sei der ein­zige, der sich über der­lei Respekt­lo­sig­keit auf­regt. Bewusst war­ge­nom­men habe ich die duze­rei erst­mals bei IKEA!
    Als SKY-Kunde wird man seit eini­ger Zeit auch nur noch geduzt. Jetzt fängt Unity­me­dia auch noch damit an. Wie kann man sich sol­cher Rspekt­lo­sig­keit erweh­ren ?
    Ich hoffe das unsere nächste Genera­tion die­ses nicht für nor­mal hält, denn lei­der wer­den diverse Aus­drü­cke wie (ebend o.Ä.) schon von gut Gebil­de­ten Per­so­nen in der Öffent­lich­keit, z.B. Fernsehen/​Rundfunk, ver­wen­det.

  26. Es wird immer schlim­mer mit der Duze­rei spe­zi­ell im Inter­net. Es ist eine unge­heure Respekt­lo­sig­keit, jeden mit du anzu­re­den und davon aus­zu­ge­hen, dass sich sowieso nie­mand weh­ren kann. Es ist modern und nicht cool, - was sollte an man­geln­der Ach­tung vor dem Ande­ren und schlech­ten Manie­ren cool sein? Und zu IKEA: ich ver­bitte mir das Du mit dem Hin­weis, dass ich mein Gegen­über auch mit Sie anrede. Das hat bis jetzt super geklappt.

  27. Wahr­schein­lich des­we­gen glaube ich erken­nen zu kön­nen, dass das ganze Geduze auf ein kul­tu­rel­les Miss­ver­ständ­nis basiert, näm­lich dass man sich in eng­lisch­spra­chi­gen Län­dern – allem voran in den USA – duzen würde

    Es ist nicht nur ein kul­tu­rel­les, son­dern auch ein sprach­li­ches Miss­ver­ständ­nis, denn das Du („Thou“) kam in eng­lisch­spra­chi­gen Län­dern in der Stan­dard­spra­che etwa Mitte des 17. Jahr­hun­derts aus der Mode, weil man diese Anrede als unhöf­lich und mehr­deu­tig auf­fasste. Von da an bis heute wird sich im Stan­dard­eng­lisch dem­entspre­chend nur noch gesiezt.

    Quelle: https://​en​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​T​h​o​u​#​G​e​n​e​r​a​l​_​d​e​c​l​i​n​e​_​i​n​_​E​a​r​l​y​_​M​o​d​e​r​n​_​E​n​g​l​ish

  28. Danke für den Bei­trag. Ich bin erleich­tert nicht der ein­zige alt­mo­di­sche „Sie­zer“ zu sein. Ich habe mich schrift­lich bei IKEA abge­mel­det weil IKEA auf meine Bitte, mich nicht zu Duzen, mir ant­wor­tete, dass ich halt mit der Zeit gehen müsse und wir alle eine Fami­lie sind. Sind wir aber nicht! Seit­her bekomme ich keine Wer­bung und/​oder e-mails mehr.
    Ich duze, wenn mir dies von einer älte­ren bzw. über­ge­ord­ne­ten Per­son ange­bo­ten wird (nor­ma­ler­weise nach eini­ger Zeit) oder wenn ich es einer jün­ge­ren Per­son anbiete. Ich glaube nicht, dass unsere Erzie­hung und Kul­tur um jeden Preis von ame­ri­ka­ni­schem (und ande­rem) Laxis­mus hin­weg­ge­schwemmt wer­den sollte.
    Ander­orts (z.B. Spa­nien, wo sich jeder­mann duzt) passe ich mich an, da ich ande­rer Leute Kul­tur genauso respek­tiere als ich für die meine Respekt erhoffe.

    • Hallo , das unter­schreibe ich Ihnen zu 100 Pro­zent. Diese Unsitte nervt mich sehr.
      Ich werde dies zukünf­tig nicht zulas­sen .…. Sie dür­fen mich auch sie­zen.…..

  29. Danke für die­sen Arti­kel. Mir selbst fällt es unan­ge­nehm auf, dass ich als Kunde immer öfter geduzt werde, was ich per­sön­lich ganz unhöf­lich finde, da ich mein unbe­kann­tes Gegen­über immer sieze. Es stört mich jedoch nicht, wenn das duzen „orts­üb­lich“ ist. Zum Bei­spiel ist es in Öster­reich am Land durch­aus üblich, dass man auch unbe­kannte Per­so­nen duzt. Oder in Läden, wie z.B. Ikea…aber ein­fach gene­rell geduzt wer­den möchte ich nicht und würde es sel­ber auch nicht machen. Im Zwei­fels­fall ist die Höf­lich­keits­form immer eine gute Wahl, sollte man öfter mit­ein­an­der zu tun haben, kann man sich ja immer noch das „Du“ anbie­ten.

  30. Die­ses Thema liegt mir beson­ders am Her­zen und ich freue über die­sen auf­klä­ren­den Arti­kel. In mei­nem Blog ver­wende ich aller­dings ein Du, aber von der inne­ren Hal­tung her ist ein Sie aus dem anglosa­xo­ni­schen Raum gemeint, denn ich wahre hoch und hei­lig die Distanz in mei­ner Anspra­che und For­mu­lie­run­gen.

    Aller­dings treffe ich des öfte­ren auf ein ande­res Pro­blem aus dem rus­sisch­spra­chi­gen Raum. In Russ­land ist es vor allen sei­tens der Frau üblich den Vor­na­men des Gegen­übers zu vernid­li­chen, wenn diese Per­son sich mit ihr ver­traut füh­len möchte. Die­ses wird einem regel­recht ange­dreht (teil­weise auch im geschäft­li­chen Kon­text), was ich als grenz­über­schrei­tend emp­finde. So kann mein Name Valen­tina zu Valia, Valechka, Valu­scha oder sons­ti­gen Mutan­ten degra­die­ren. Sehr unan­ge­nehm, weil es eine Nähe und Ver­traut­heit sug­ge­riert, die ich nie gewollt habe.
    Es ist mir schon pas­siert, dass ich sogar eine Freund­schaft auf Eis legen musste, weil meine Bitte mit mei­nem nor­ma­len Namen ange­spro­chen zu sein wie­der­holt nicht respek­tiert wurde.

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