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Kun­den­kom­mu­ni­ka­tion: Warum wird über­all nur noch geduzt? — 41 Kommentare

  1. Ich möchte auch gerne im Geschäfts­brief gesiezt wer­den, wobei es mir auch wich­tig ist, was davor steht. Zwi­schen „Sehr geehrte/​r“, „Liebe/​r“ und „Hallo“ ist ja auch noch­mal ein gro­ßer Unter­schied. Ich möchte einen Unter­schied haben zwi­schen dem Anschrei­ben von Ikea und der E-Mail von einem Freund. Da grätscht mir z. B. Ikea zu sehr ins Pri­vate. Außer­dem hat es kei­nen Stil, die­ses kum­pel­hafte „Du“. In einer Kneipe widerum fühle ich mich mit dem „Du“ sehr wohl, da bin ich dann Teil einer Gemein­schaft, die ich gesucht habe. Das ist beim Geschäfts­brief, mit dem mir etwas ver­kauft wer­den soll defi­ni­tiv nicht der Fall.

    • Das, was Sie hier schrei­ben, ist die Zusam­men­fas­sung der hie­si­gen Men­ta­li­tät. Das, was wirk­lich viele Men­schen hier­zu­lande als voll­kom­men selbst­ver­ständ­lich und nor­mal emp­fin­den. Das Trau­rige daran ist doch, dass man das heut­zu­tage extra erwäh­nen muss. Ich bin zuver­sicht­lich, dass das Ergeb­nis der von mir neu ein­ge­stell­ten Umfrage Ihre Aus­sage unter­strei­chen wird.

  2. Ich habe es erreicht, dass mich der Kun­den­dienst von Otto wie­der Sietzt. Ich habe den Herr­schaf­ten eine ent­spre­chende Mail geschrie­ben in der ich mir das Dut­zen ver­be­ten habe, da ich weder deren Haus­sklave bin, noch mit ihnen gemein­sam Schweine gehü­tet habe.
    Es wird nicht immer klap­pen, dann bre­che ich aber die Kom­mu­ni­ka­tion ab. Ich bin aber beru­higt, dass ich nicht die Ein­zige bin, die sich an diese Unsitte nicht gewöh­nen will. Es ist auch ein­fa­cher du Idiot zu sagen als Sie Idiot - das wäre eine Belei­di­gung.

  3. Sehr geehr­ter Herr Ghaf­fari,
    herz­li­chen Dank für Ihren ein­sichts­vol­len Arti­kel.
    Ich möchte ergän­zen, daß viele Unter­neh­men beim Duzen der Kun­den, die sie gewin­nen bzw. behal­ten wol­len, zusätz­lich die Unsitte pfle­gen, beim Anschrei­ben das Du klein­zu­schrei­ben. Ich bin so erzo­gen wor­den, im Anschrei­ben an Freunde und gute Bekannte IMMER das Du groß­zu­schrei­ben. Auch hier gilt es näm­lich, dem Adres­sa­ten gegen­über auf diese (Schreib)Weise sei­nen Respekt aus­zu­drü­cken.

    • Guten Abend und danke für Ihre gute Anmer­kung. Sofern ich die Duden-Aus­le­gung rich­tig deute, han­delt es sich um eine Kann-Vor­gabe. Man kann groß­schrei­ben, wenn man eine Per­son per­sön­lich anre­den möchte. Und hier trennt sich womög­lich die sub­jek­tive Aus­le­gung die­ser Kann-Vor­gabe. Denn für mich ist „per­sön­lich anre­den“ aus­nahms­los an die Bedin­gung geknüpft, dass ich die Per­son per­sön­lich kenne oder zumin­dest das Indi­vi­duum anschrei­ben möchte. Das wäre im geschäft­li­chen Kon­text der Fall, wenn das mich duzende Unter­neh­men mich z. B. bezüg­lich mei­ner letz­ten Bestel­lung anschreibt. Dies vor­aus­ge­schickt, was mich betrifft, schlimm genug, wenn ich in einer Wer­be­mail auf­grund einer Pseudo-Bezie­hungs­ge­stal­tung unge­fragt geduzt werde, es würde für mein Emp­fin­den durch die Groß­schrei­bung sogar eins dar­auf gesetzt, wenn es für mich klar ersicht­lich ist, dass eine Mas­sen­mail an viele ver­schickt wurde.

  4. Wie erfri­schend Ihr Arti­kel zu lesen ist! Vie­len herz­li­chen Dank dafür. Meine Genera­tion (ich bin 1988 gebo­ren) wird auch lie­ber gezi­est, bzw ist es den meis­ten auch lie­ber, erst ein­mal gefragt zu wer­den! Ich fiel aus allen Wol­ken, als ich meine Schwes­ter vor eini­gen Wochen zur Haspa beglei­tete. Sie nutzt kein Online-Ban­king, wäh­rend ich eigent­lich alles immer online regel. Des­we­gen war ich auch sehr lange nicht mehr per­sön­lich in der Bank.
    Jeden­falls bekam ich mit, dass die Dame am Schal­ter meine Schwes­ter duzte! Zuerst dachte ich, ich hätte mich viel­leicht ver­hört oder es war der Dame pas­siert, weil sie meine Schwes­ter für jün­ger hielt (Obwohl sie ihren Aus­weis in der Hand hielt), da bekam ich mit, wie ein Mann neben uns, ebenso geduzt wurde! Das hätte ich nie erwar­tet, immer­hin ist die Haspa ein älte­res Unter­neh­men, von dem ich doch schon Seriö­si­tät erwar­tete!
    Sie haben Recht, es soll­ten sich mehr Men­schen dage­gen weh­ren und sich beschwe­ren, dann wird es hof­fent­lich zurück gehen! Ihr Arti­kel hat mich ermu­tigt, ebenso wie die Kom­men­tare hier.
    Freund­li­che Grüße

    • Guten Mor­gen Frau Meyer und danke für Ihr gutes Bei­spiel.

      »Und was ist bitte daran so schwer respekt­voll zu sein?« Ich denke eben nicht, dass die Unge­fragt-Duzer respekt­los sein wol­len. Sie haben viel­mehr eine nar­ra­tive Erklä­rung im Kopf, die dafür sorgt, dass das Duzen in der eige­nen Wahr­neh­mung als etwas Posi­ti­ves (fehl-)gedeutet wird: cool, modern, …

      Das Argu­ment »es ist in Schwe­den so üblich« o. Ä kommt in der Tat oft vor. Ich ant­worte gerne dar­auf: »Und in Japan gibt es ein Du auf Augen­höhe plus ein hier­ar­chi­sches Von-oben-nach-unten-gespro­chen-Du, es gibt ein Sie auf Augen­höhe plus ein hier­ar­chi­sches Von-unten-nach-oben-gespro­chen-Sie. Und ich glaube in Korea gibt es sogar noch mehr Vari­an­ten. Und nun?«

  5. Ich werde auch stän­dig respekt­los geduzt und trotz des Hin­wei­ses, dass ich das nicht möchte, wird das ein­fach nicht akzep­tiert. Bei­spiel: Bei Klarna wurde mir auf mei­nen Hin­weis, dass ich nicht geduzt wer­den möchte mit­ge­teilt, dass das ein schwe­di­sches Unter­neh­men und es in Schwe­den so üblich ist zu duzen. Das ist ja alles ganz schön und gut, aber ich bin in Deutsch­land und in dort wird nicht ein­fach unge­fragt geduzt. Wenn ich gefragt wer­den, ob ich damit ein­ver­stan­den bin, ist das ja okay. Aber ich bin so erzo­gen wor­den alle Men­schen erst­mal zu sie­zen. Und was ist bitte daran so schwer respekt­voll zu sein?

  6. Wenn ich Wer­be­sen­dun­gen bekomme, auf denen ich bereits auf dem Umschlag geduzt werde, ver­wei­gere ich die Annahme, mit dem Hin­weis »Annahme-Ver­wei­ge­rung wegen Duze­rei«.

  7. Mein Kom­pli­ment zu Ihrem Arti­kel, den ich voll und ganz unter­schreibe. Die gras­sie­rende Nivel­lie­rung nach unten macht weder vor unse­rer Spra­che noch vor den ele­men­ta­ren Ver­hal­tens­re­geln halt und sollte wirk­lich nicht (still lei­dend) tole­riert wer­den.

    Meine Stan­dard­ant­wort auf unge­be­tens Duzen lau­tet »Kenne wir uns oder warum Duzen Sie mich ?« Das ist durch­aus noch freund­lich und erzielt die gewünschte Wir­kung, wenn­gleich erst nach einem durch­aus wahr­nehm­ba­ren Aus­druck des ungläu­bi­gen Erstau­nens. Die meis­ten Leute sind sich Ihres faux­pas nicht ein­mal bewußt, wech­seln aber dann doch zum Sie.

    Als poten­ti­el­ler Kunde reagiere ich all­er­gisch, »duzende« TV- oder Radio­sen­der wer­den gelöscht (es blei­ben aber nicht mehr viele über), Wer­be­mails abbe­stellt, Geschäfte gemie­den. Ver­mut­lich alles ein aus­sichts­lo­ser Kampf, aber wenn schon unter­ge­hen dann zumin­dest mit Stil !

    • Vie­len Dank für Ihr freund­li­ches Feed­back.

      »[…] Wer­be­mails abbe­stellt, Geschäfte gemie­den. Ver­mut­lich alles ein aus­sichts­lo­ser Kampf, aber wenn schon unter­ge­hen dann zumin­dest mit Stil«
      Die Chance kann man ein klein wenig posi­tiv beein­flus­sen, indem man einen Satz dazu schreibt, warum man die Geschäfts­be­zie­hung been­det. Denn wenn meh­rere das tun, erhöht das die Chance, dass jemand im Unter­neh­men mit einem kla­ren Ver­stand ein Ein­se­hen hat.

  8. Mei­ner Mei­nung nach sollte das Sie­zen unbe­dingt bei­be­hal­ten wer­den. Sie­zen ist eine berech­tigte Höf­lich­keits­form. Erst wenn der Gegen­über oder man sel­ber das Du ange­bo­ten hat, kann geduzt wer­den.

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