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Kun­den­kom­mu­ni­ka­tion: Warum wird über­all nur noch geduzt? — 21 Kommentare

  1. Die­ses Thema liegt mir beson­ders am Her­zen und ich freue über die­sen auf­klä­ren­den Arti­kel. In mei­nem Blog ver­wende ich aller­dings ein Du, aber von der inne­ren Hal­tung her ist ein Sie aus dem anglosa­xo­ni­schen Raum gemeint, denn ich wahre hoch und hei­lig die Distanz in mei­ner Anspra­che und For­mu­lie­run­gen.

    Aller­dings treffe ich des öfte­ren auf ein ande­res Pro­blem aus dem rus­sisch­spra­chi­gen Raum. In Russ­land ist es vor allen sei­tens der Frau üblich den Vor­na­men des Gegen­übers zu vernid­li­chen, wenn diese Per­son sich mit ihr ver­traut füh­len möchte. Die­ses wird einem regel­recht ange­dreht (teil­weise auch im geschäft­li­chen Kon­text), was ich als grenz­über­schrei­tend emp­finde. So kann mein Name Valen­tina zu Valia, Valechka, Valu­scha oder sons­ti­gen Mutan­ten degra­die­ren. Sehr unan­ge­nehm, weil es eine Nähe und Ver­traut­heit sug­ge­riert, die ich nie gewollt habe.
    Es ist mir schon pas­siert, dass ich sogar eine Freund­schaft auf Eis legen musste, weil meine Bitte mit mei­nem nor­ma­len Namen ange­spro­chen zu sein wie­der­holt nicht respek­tiert wurde.

  2. Danke für die­sen Arti­kel. Mir selbst fällt es unan­ge­nehm auf, dass ich als Kunde immer öfter geduzt werde, was ich per­sön­lich ganz unhöf­lich finde, da ich mein unbe­kann­tes Gegen­über immer sieze. Es stört mich jedoch nicht, wenn das duzen »orts­üb­lich« ist. Zum Bei­spiel ist es in Öster­reich am Land durch­aus üblich, dass man auch unbe­kannte Per­so­nen duzt. Oder in Läden, wie z.B. Ikea…aber ein­fach gene­rell geduzt wer­den möchte ich nicht und würde es sel­ber auch nicht machen. Im Zwei­fels­fall ist die Höf­lich­keits­form immer eine gute Wahl, sollte man öfter mit­ein­an­der zu tun haben, kann man sich ja immer noch das »Du« anbie­ten.

  3. Danke für den Bei­trag. Ich bin erleich­tert nicht der ein­zige alt­mo­di­sche »Sie­zer« zu sein. Ich habe mich schrift­lich bei IKEA abge­mel­det weil IKEA auf meine Bitte, mich nicht zu Duzen, mir ant­wor­tete, dass ich halt mit der Zeit gehen müsse und wir alle eine Fami­lie sind. Sind wir aber nicht! Seit­her bekomme ich keine Wer­bung und/​oder e-mails mehr.
    Ich duze, wenn mir dies von einer älte­ren bzw. über­ge­ord­ne­ten Per­son ange­bo­ten wird (nor­ma­ler­weise nach eini­ger Zeit) oder wenn ich es einer jün­ge­ren Per­son anbiete. Ich glaube nicht, dass unsere Erzie­hung und Kul­tur um jeden Preis von ame­ri­ka­ni­schem (und ande­rem) Laxis­mus hin­weg­ge­schwemmt wer­den sollte.
    Ander­orts (z.B. Spa­nien, wo sich jeder­mann duzt) passe ich mich an, da ich ande­rer Leute Kul­tur genauso respek­tiere als ich für die meine Respekt erhoffe.

    • Hallo , das unter­schreibe ich Ihnen zu 100 Pro­zent. Diese Unsitte nervt mich sehr.
      Ich werde dies zukünf­tig nicht zulas­sen .…. Sie dür­fen mich auch sie­zen.…..

  4. Wahr­schein­lich des­we­gen glaube ich erken­nen zu kön­nen, dass das ganze Geduze auf ein kul­tu­rel­les Miss­ver­ständ­nis basiert, näm­lich dass man sich in eng­lisch­spra­chi­gen Län­dern – allem voran in den USA – duzen würde

    Es ist nicht nur ein kul­tu­rel­les, son­dern auch ein sprach­li­ches Miss­ver­ständ­nis, denn das Du (»Thou«) kam in eng­lisch­spra­chi­gen Län­dern in der Stan­dard­spra­che etwa Mitte des 17. Jahr­hun­derts aus der Mode, weil man diese Anrede als unhöf­lich und mehr­deu­tig auf­fasste. Von da an bis heute wird sich im Stan­dard­eng­lisch dem­entspre­chend nur noch gesiezt.

    Quelle: https://​en​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​T​h​o​u​#​G​e​n​e​r​a​l​_​d​e​c​l​i​n​e​_​i​n​_​E​a​r​l​y​_​M​o​d​e​r​n​_​E​n​g​l​ish

  5. Es wird immer schlim­mer mit der Duze­rei spe­zi­ell im Inter­net. Es ist eine unge­heure Respekt­lo­sig­keit, jeden mit du anzu­re­den und davon aus­zu­ge­hen, dass sich sowieso nie­mand weh­ren kann. Es ist modern und nicht cool, - was sollte an man­geln­der Ach­tung vor dem Ande­ren und schlech­ten Manie­ren cool sein? Und zu IKEA: ich ver­bitte mir das Du mit dem Hin­weis, dass ich mein Gegen­über auch mit Sie anrede. Das hat bis jetzt super geklappt.

  6. Vie­len Dank für die­sen Bei­trag.
    Ich dachte schon, ich sei der ein­zige, der sich über der­lei Respekt­lo­sig­keit auf­regt. Bewusst war­ge­nom­men habe ich die duze­rei erst­mals bei IKEA!
    Als SKY-Kunde wird man seit eini­ger Zeit auch nur noch geduzt. Jetzt fängt Unity­me­dia auch noch damit an. Wie kann man sich sol­cher Rspekt­lo­sig­keit erweh­ren ?
    Ich hoffe das unsere nächste Genera­tion die­ses nicht für nor­mal hält, denn lei­der wer­den diverse Aus­drü­cke wie (ebend o.Ä.) schon von gut Gebil­de­ten Per­so­nen in der Öffent­lich­keit, z.B. Fernsehen/​Rundfunk, ver­wen­det.

  7. Ich habe gerade von OTTO Flyer und E-Mails bekom­men, in denen ich gedutzt und mit Vor­na­men ange­spro­chen wurde. Ich habe mich dage­gen ver­wahrt, hat aber keine Wir­kung. Ich gehe auf die 80 zu und möchte nicht von Frem­den gedutzt wer­den, auch nicht, wenn Sie schrei­ben, »Deine E-Mail-Adresse « wird nicht ver­öf­fent­licht. Ist ja ganz nett, es hätte aber gereicht »Die E-Mail.…«

    • Vie­len Dank für Ihren Kom­men­tar. In mei­nem Fach­bei­trag „Mar­ke­ting-Sprech ist all­ge­gen­wär­tig“ betrachte ich kri­tisch die Rolle von Mar­ke­ting in Unter­neh­men und komme u. a. zu die­sem Ergeb­nis:

      Das Pro­blem von Mar­ke­ting ist, dass es sich der (ver­meint­li­chen) Spra­che der Ziel­gruppe bedie­nen möchte, um den Ein­druck zu erwe­cken, dass es dem Unter­neh­men darum geht, eine gute Bezie­hung mit den Kun­den gestal­ten zu wol­len. Und es ist trau­rig, dass man es nicht mal mit­be­kommt, wenn man eigent­lich das genaue Gegen­teil bewirkt. Spe­zi­ell in einem sol­chen Fall:

      Wenn Jugent­li­che den Groß­teil der Kun­den von Otto stel­len wür­den, was ich trotz feh­len­dem Ein­blick mir erlaube aus­zu­schlie­ßen, dann könnte ich das ja noch ein Stück weit nach­voll­zie­hen. Aber die Atti­tüde stur auf­recht zu erhal­ten, obgleich der Kunde sich dage­gen ver­wahrt, ist in der Tat sehr ent­täu­schend.

  8. Ich, als fast 80-Jäh­ri­ger, reihe mich voll über­zeugt bei den »SIE­zern« ein. Es ärgert mich stets beim Erhalt der Wer­bun­gen, dass kaum eine Seite ohne ein »Du, Dein/​e, Euch« udgl. aus zu kom­men scheint. Ikea hat mich mit Hilfe des Duzens ver­trie­ben und Lidl, Rewe usw. sind auch nicht mehr meine Ein­kaufs­stät­ten. Da inzwi­schen Die San­tan­der­bank nur noch mei­nen Vor­na­men benutzt und mein Wider­spruch mit »Sie sind ein alt­mo­di­scher Mecke­rer« beant­wor­tet, beende ich zum Jah­res­ende die über 25 Jahre bestehende Bezie­hung

  9. Ich ärgere mich eben­falls über das plumpe Geduze.
    Ja - auch bei IKEA
    Auch bei Bon­prix
    und diver­sen ande­ren.
    Ich emp­finde das als unan­ge­nehme Unsitte und im Umgang mit frem­den Men­schen schlicht­weg unan­ge­bracht.
    Auch das schwä­bi­sche Pseu­do­ge­duze geht mir auf den Geist.
    Bei­spiel: jemand steht im Laden und fragt:
    »habt ihr …«
    Oder das Bau­stel­len-du.
    Ich bin am Reno­vie­ren und emp­finde es als ziem­lich respekt­los, von Hand­wer­kern stan­dard­mä­ßig geduzt zu wer­den.

    Angeb­lich scheint es auch bei Behör­den vor­zu­kom­men, dass man Leute duzt.
    Das kenne ich zwar nicht aus eige­ner Anschau­ung, aber es ist mir schon zu Ohren gekom­men, dass Poli­zis­ten hin und wie­der fremde Per­so­nen duzen.

    In einem eng­lisch­spra­chi­gen Vor­trag habe ich ein­mal gehört:
    people live up to your expec­ta­ti­ons
    or down to your expec­ta­ti­ons.

    Ähn­lich ist das mit dem plum­pen »du«.
    Wenn ich jeman­dem wenig Wert­schät­zung ent­ge­gen­bringe kriege ich das halt auch so zurück.

    • Vie­len Dank! War »das schwä­bi­sche Pseu­do­ge­duze« schon immer so, oder eher eine neue Mode­er­schei­nung? Im erst­ge­nann­ten Fall hätte ich per­sön­lich ver­mut­lich als Ver­käu­fer im besag­ten Laden die Situa­tion unter »Vari­ante 2« ein­ge­stuft und für mich akzep­tiert und abge­hakt. Aller­dings hätte ich die Besu­cher erst gesiezt, bis sie mich duzen, und wäre dann wohl eben­falls auf Du über­ge­gan­gen. Und als Kunde käme ich nir­gendwo auf die Idee, einen Ver­käu­fer ein­fach so zu duzen.

  10. Vie­len Dank für Ihren guten Arti­kel.
    Ich bin war noch recht jung, emp­finde es aber auch als unhöf­lich, wenn im geschäft­li­chen Kon­text ein­fach das Du zur Anwen­dung kommt. Zum Bei­spiel wenn Lidl einen in der Wer­bung ein­fach mit du anspricht. Oder die Free­net News­let­ter à la »Mar­kus, wie viel ist dein Auto noch wert?« etc. Das stärkt mMn nicht die Kun­den­bin­dung, son­dern ist für mich respekt­los. Eine unge­fragte und nicht vor­han­dene Nähe sug­ge­rie­rend.

    P.S.
    Wenn mann hier, wie auch auf ande­ren Web­sei­ten kom­men­tiert, steht fol­gen­des über dem Ein­ga­be­feld:

    »Schreibe einen Kom­men­tar
    Deine E-Mail-Adresse wird nicht ver­öf­fent­licht. Erfor­der­li­che Fel­der sind mit * mar­kiert.«

    Ohne Worte.….

    • Schreibe einen Kom­men­tar […]”

      Danke für den guten Hin­weis. Das ist wohl der auto­ma­ti­sche Text von Wor­d­Press (WP). Daher fin­den Sie ihn hier und auf ande­ren (WP-)Websites vor. Das wäre somit ein wei­te­res Bei­spiel für meine These: »Vor allem Unter­neh­men rund um The­men, die das Online-Geschäft betref­fen, schei­nen keine andere Alter­na­tive mehr zu ken­nen«. Lei­der weiß ich nicht, wie ich den Text anpas­sen könnte bzw. ob man ihn über­haupt (mit ver­tret­ba­rem Auf­wand) anpas­sen kann. Soll­ten Sie es wis­sen, danke im Vor­aus für die Info.

  11. Moin. Mir fiel das Ganze erst­mals vor ca 6-7 Jah­ren im Apple Store(HH) an der Genius Bar auf. Mit 43 habe ich pri­vat über­haupt kein Pro­blem in der Kneipe oder am nach­bar­schaft­li­chen Kiosk geduzt zu wer­den. Wenn ich aber pri­vat einen Ser­vice oder Kauf­ver­trag abschließe, möchte ich gefragt wer­den und meine Ant­wort lau­tet »Sie bitte«. Beim Du geht doch schnell der Respekt ver­lo­ren. Auf Fra­gen, bekommt man eine unzu­rei­chende Ant­wort oder auch mal schnell nen Spruch gedrückt. »Is cool…« Als ich das letzte mal Google Maps mit Sprach­aus­gabe genutzt habe, musste ich im Auto kurz aus­flip­pen, als das Navi mich Duzte…«
    Bei mei­nem lang­jäh­ri­gen Job an der Uni­kli­nik kenne ich einige Chef- und Ober­ärzte, die ich duze. Beim Ken­nen­ler­nen waren die , ich sag mal »frisch von der Uni«. In jeg­li­chem Schrift­ver­kehr oder in bereichs­über­grei­fen­den Sit­zun­gen wird das Sie benutzt. Wenn ich mich umhöre, möch­ten die meis­ten gefragt wer­den.

    • »Wenn ich mich umhöre, möch­ten die meis­ten gefragt wer­den.« Ja, das ist auch meine Wahr­neh­mung. Vie­len Dank für Ihre guten Bei­spiele.

  12. Als wenn sich alle abge­spro­chen hätten!Weil mich Lidl beson­ders geär­gert hat, habe ich fol­gen­den Kom­men­tar bei »Mei­nun­gen« geschrie­ben:
    Du, Herr Schwarz, ich war heute in Dei­ner Filiale in Brühl. Deine Mit­ar­bei­te­rin­nen dort sind wirk­lich ganz toll. Aber was mir nicht gefällt: In allen Dei­nen Pro­spek­ten und Pla­ka­ten redest Du mich mit »Du« an. Dabei ken­nen wir uns gar nicht. Gibt es bei Dir keine Höf­lich­keit mehr, sind Deine Kun­den von jetzt an auch Deine Kum­pels? Mir gefällt diese Art der Anspra­che nicht. Warum zer­störst Du auf diese Weise alte Tra­di­tio­nen? Du bekommst von mir - und sicher vie­len ande­ren Kun­den - eine ganz dicke Rüge. Schäm‹ Dich.
    Ich habe keine Ant­wort erhal­ten.

    • Mit Ihrem Kom­men­tar haben Sie gewiss Ein­druck bei Herrn Schwarz gemacht. So etwas bekommt er sicher nicht oft zu sehen.
      Ich weiß es nicht, darf aber mut­ma­ßen: Der Fili­al­lei­ter hat wenig/​kaum Ein­fluss auf die zen­tral gesteu­er­ten Mar­ke­ting-Akti­vi­tä­ten des Kon­zerns. Hof­fent­lich gibt er aber Ihr »Feed­back« wei­ter an die Zen­trale. Wenn sie öfters sol­che Feed­back bekä­men, wer weiß …
      Apro­pos »als wenn sich alle abge­spro­chen hät­ten«, ich habe den Ein­druck das könnte sich so abspie­len: Ein Unter­neh­men fängt mit einer Aktion an und alle ande­ren den­ken: »Die wer­den sich wohl was dabei gedacht haben. Also machen wir es auch«. Ich wün­sche Ihnen einen schö­nen Abend und blei­ben Sie gesund.

  13. Ich muss zuge­ben, dass ich aus einem kon­ser­va­ti­ven Umfeld stamme und es ver­wun­dert mich sehr, dass man sich im Inter­net duzt, solange man nicht längst bekannt ist. Ein­mal hatte ich es mit einer Dar­stel­le­rin für Erwach­se­nen­filme zu tun. Zwar weiß ich, dass diese einen infor­mel­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stil bevor­zu­gen (Duzen), aber auf­grund mei­ner eher kon­ser­va­ti­ven Men­ta­li­tät wusste ich nicht, ob ich sie bzw. ihren Kun­den­ser­vice duzen oder sie­zen sollte. Da ich ihr gegen­über sehr ner­vös war, musste ich dadurch den Kon­takt abbre­chen. Im fran­zö­sisch­spra­chi­gen Inter­net, soweit ich weiß, siezt man sich. Außer­dem bin ich sehr froh, dass ich keine sozia­len Netz­werke mehr benutze und zwar auf­grund zahl­rei­cher unge­schrie­be­nen Regeln, u.a. duzen, zahl­rei­che Fotos pos­ten oder zahl­rei­che »Freunde« haben. Ich muss sagen, dass mir der kon­ser­va­tive Kul­tur­kreis mit sei­nen kla­ren Ver­hal­tens­mus­tern immer näher lag und ich hoffe sehr, immer da zu blei­ben. Es tut mir auch leid für ältere Leute, die beim Kun­den­ser­vice das Sie­zen bevor­zu­gen.

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