Die Art und Weise, wie wir fühlen, denken und handeln, hat einen maßgeblichen Einfluss auf die Realität, die wir vorfinden. Behalten wir unseren Habitus bei, ist die Chance recht groß, dass wir im neuen Beruf die alten Probleme im neuen Gewand wiederbegegnen werden.
Ein gewichtiger Teil meiner Arbeit als Coach & Berater für Existenz- und Unternehmensgründer behandelt das Thema »berufliche Veränderung«. Sei es, dass ein Manager nun selbstständig werden oder eine neue berufliche Herausforderung suchen will. Manchmal versehen mit dem starken Wunsch nach einer räumlichen Veränderung – Auswanderung inklusive.
Nur sehr selten ist die Ausgangssituation der Beratung/Coaching so, dass der Klient das Bisherige weder beanstandet noch als störend empfindet, sondern einfach nur Lust auf etwas Neues hat. In diesen seltenen Fällen kann ich recht sicher davon ausgehen, dass der Wechselwunsch eine souveräne Entscheidung ist.
gbcc-Akademie mit neuem Inhalt!

- Persönlichkeitsentwicklung:
Warum ticke ich so, wie ich ticke? Und was nun? - Mitarbeiterführung:
Leitende Tätigkeiten braucht jedes Unternehmen – aber nicht zwingend Hierarchien! - Prozessmanagement:
Silodenken überwinden, professionell & produktiv zusammenarbeiten! Geht das? - Kommunikation:
Warum reden wir aneinander vorbei und was können wir dagegen tun?
In aller Regel ist der Beweggrund für den Wechsel, dass man das Bisherige stark beanstandet: Die Job-Routine langweilt oder der hohe Druck laugt aus, man leidet darunter, dass der Kollege XY sich so und so verhält, der Chef macht dies und das und ist daher nicht mehr zu ertragen, etc.
In diesen Fällen werde ich hellhörig und versuche zunächst gemeinsam mit dem Klienten herauszufinden, ob es sich wirklich um eine souveräne Entscheidung handelt. Denn eine Flucht vor der Realität, nämlich sich endlich einmal den eigenen »Baustellen« zu stellen, verschiebt die eigentliche Problemlösung. Sie erschwert sie sogar! Warum ist das so?
Zur Beantwortung gehe ich die einzelnen Beweggründe beispielhaft durch. Zu jedem Punkt führe ich eine mögliche Ausprägung zur Verdeutlichung auf, damit der geneigte Leser sich leichter ein eigenes Bild machen kann. Ich möchte daher explizit erwähnen, dass es zu jedem Punkt viele mögliche Ausprägungen gibt.
Die Jobroutine langweilt
Vielleicht ist Ihr Problem nicht, dass diese Jobroutine Sie langweilt, sondern dass jede Routine Sie langweilen würde. Barbara Sher hat für Menschen, die sich nicht auf ein einziges Lebensthema beschränken wollen, weil sie sich so vieles vorstellen können, den Begriff Scanner
geprägt. In diesem Fall ist ein Jobwechsel nicht die Lösung. Höchstens dann, wenn Sie einen raren Job in Aussicht haben, der Ihnen die nötige Vielfalt und Abwechslung bietet. Die Alternative dazu könnte z. B. sein, einen eigenen Weg zu finden, die Vielfalt auszuleben und sich dabei damit zu arrangieren, dass man mit einem (Haupt-)Job den Lebensunterhalt sicherstellt.
Der Arbeitsdruck ist sehr hoch: Kommt der Druck von innen (z. B. weil Sie selbst eine sehr hohe Erwartung an sich selbst haben), dann werden Sie leicht nachvollziehen können, dass die äußeren Umstände (neue Stelle oder Selbstständigkeit) nichts daran ändern werden. Wollen Sie Linderung, werden Sie wohl daran nicht vorbei kommen, sich eines Tages mit dieser Frage auseinanderzusetzen: Warum lasse ich es mir durchgehen, dass ich so rücksichtslos mit mir selbst umgehe!
Kommt der Druck von außen, dann können Sie natürlich nicht wissen, ob im neuen Beruf andere ebenfalls solchen Druck auf Sie ausüben werden. Das, was Sie beeinflussen können, ist eine grundsätzlich andere innere Haltung bzw. ein anderer Umgang mit Stress und Druck von außen. Darüber hinaus gibt es hierzu einige nützliche Tools, die ich bei Bedarf Klienten beibringe.
Der Kollege drückt bei mir laufend »die Knöpfe«
Auch da hilft keine Flucht in eine neue Arbeit, denn die eigentliche Botschaft dahinter lautet:
»Das, was mich trifft, betrifft mich!«
Das ist in der Tat einer der spannendsten Aspekte meiner Arbeit mit Menschen: Zu ergründen, was es genau ist, was einen betrifft und warum. Wird man dessen gewahr, kann man anschließend das eigentliche Thema gut behandeln. Das Ergebnis ist immer wieder verblüffend: Man betrachtet die gleiche Situation, die bislang für »ich habe so ’n Hals« gesorgt hatte, nun mit anderen Augen. Es bleibt womöglich weiterhin eine unangenehme und ungewollte Situation, aber man spürt plötzlich eine angenehme Distanz dazu, sie geht einem nun nicht mehr nah und man verliert nicht die Souveränität.
Last, not least, der »geliebte« Chef
Oben erwähnte Punkte treffen natürlich auch hier zu, aber einige spezielle Aspekte treten besonders häufig in diesem Zusammenhang auf: das Hadern mit Hierarchien und mit der Akzeptanz der Wirklichkeit.
Wenn das sich Fügen in Hierarchien das eigentliche Thema ist, dann hilft noch nicht einmal die Selbstständigkeit. Denn Ihre künftigen Kunden können mindestens genauso gut diese Rolle besetzen!
Das Hadern damit, die Wirklichkeit so anzunehmen, wie sie ist, gehört zweifelsohne zu den größten Hindernissen auf dem Weg zum eigenen Seelenfrieden. Das ist regelmäßig der Fall, wenn wir uns beispielsweise fehlerfreie und perfekte Chefs o. Ä. wünschen. Um ein Missverständnis vorzubeugen: Die Wirklichkeit so anzunehmen, wie sie ist, bedeutet nicht, dass man sie gutheißen muss! Plakativ kann man den Unterschied so erklären:
Sie hätten sich einen sonnigen Tag gewünscht, um mit Freunden draußen zu verbringen. Nun stellen Sie fest, dass es regnet. Sehr bedauerlich aber nun einmal die Wirklichkeit, die Sie vorfinden. Wenn wir unser typisches Gebaren auf die Situation übertragen, würden wir den ganzen Tag damit verschwenden, auf den Regen zu schimpfen. Alternativ kann man die Realität annehmen (es regnet. Punkt) und sich anschließend damit beschäftigen, was man für Optionen hat: Mit oder ohne Regenschirm rausgehen, zuhause bleiben und Freunde einladen, etc.
Eingangs hatte ich erwähnt, dass eine Flucht vor der Realität nicht nur die eigentliche Problemlösung verschiebt, sondern sie sogar erschwert. Warum ist das so?
In Ihrem bisherigen Beruf kennen Sie bereits alle »Variablen«, z. B. die agierenden Personen und ihr typisches Gebaren. So können Sie sich darauf fokussieren, Ihre Baustellen zu identifizieren und zu behandeln.
Im neuen Job werden Sie es mit neuen Variablen zu tun bekommen. Das Kennenlernen der neuen Variablen wird Priorität haben, denn Sie wollen sich ja integrieren. Die Baustellen müssen also so lange warten.
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