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Work-Life-Balance: mein persön­liches Unwort des Jahr­zehnts! — 5 Kommentare

  1. Der Bei­trag setzt vor­aus, dass jeder sich mit den Fra­gen aus­ein­an­der­setzt.
    Meine Frage ist ob man sich mit den gestell­ten Fra­gen aus­ein­an­der­set­zen muss?
    Lebt es sich nicht unbe­küm­mer­ter, wenn sich diese Fra­gen gar nicht stel­len, schließ­lich endet jedes Leben mit dem Tod.

    • Das ist eine eher phi­lo­so­phi­sche Frage, die Sie auf­wer­fen. »Unwis­sen­heit ist ein Segen« ist der pas­sende Spruch dazu. Sie reiht sich ein in die Kate­go­rie ande­rer Fra­gen, die einem im Leben begeg­nen kön­nen – oder eben nicht – wie bei­spiels­weise, ob man drin­gend zu wis­sen braucht, dass man Glu­te­nal­ergi­ker ist und dann auf die Lieb­lingspizza ver­zich­ten muss, ob man zu wis­sen braucht, dass der Fisch, den man so lecker fin­det, vom Aus­ser­ben bedroht ist, ob die Eier zum Früh­stück von einem die­ser kran­ken und ver­letz­ten Hüh­ner in der Mas­sen­tier­zucht stam­men, u.s.w.

      Wie bei allen phi­lo­so­phi­schen The­men gibt es meh­rere Sicht­wei­sen zur Aus­wahl. Und das ist gut so und berei­chernd. Man macht sich meist erst dann Gedan­ken zu einem Thema, wenn man in irgend­ei­ner Form davon betrof­fen ist. Sei es, dass es mich per­sön­lich (be)trifft, oder mich emo­tio­nal betrof­fen macht.

      Der Arti­kel setzt vor­aus, dass jemand, der sich aus aktu­el­lem Anlass mit den Ursa­chen beschäf­ti­gen *möchte*, diese Sicht­weise berei­chernd fin­den könnte.

    • Es ist weni­ger eine phi­lo­so­phi­sche Frage als die Her­an­ge­hens­weise eine Frage, die sich noch nie gestellt hat, beant­wor­ten zu wol­len.

      Um bei Ihrem Bei­spiel mit dem Glu­te­nal­ergi­ker der dann auf die Lieb­lingspizza ver­zich­ten müsste zu blei­ben, möchte ich erwäh­nen, dass es sicher­lich Mil­lio­nen von Glu­te­nal­ergi­ker gibt, die ihre All­er­gie nicht ein­mal ken­nen.

      Der Grund liegt oft nicht in Des­in­ter­esse son­dern darin, dass der Lei­dens­druck erträg­lich ist. Sollte der Lei­dens­druck mit der Zeit soweit stei­gen, dass ein Hand­lungs­be­darf unum­gäng­lich wird, würde die Per­son ihre Ursa­chen zwangs­läu­fig nach­ge­hen.

      Oft kann man sagen:
      Wis­sen ist zwar Macht, aber über die­ses Thema nichts zu Wis­sen, macht auch nichts.

    • Ich bin bei Ihnen: The­men, die uns betref­fen, haben meist die schlechte Ange­wohn­heit, dass sie nicht dar­auf war­ten, gefun­den zu wer­den, son­dern sie fin­den uns. So kommt manch einer erst nach einem Hör­sturz oder Herz­in­farkt oder pri­va­ten Scher­ben­hau­fen nach einer Schei­dung zu die­sem Thema.

      Unge­ach­tet des­sen, es gibt aber auch Wahl­frei­hei­ten: Die Frei­heit zu ent­schei­den, ob ich mich prä­ven­tiv mit einem Thema beschäf­ti­gen möchte, das sich mir noch nicht offen­bart hat, aber künf­tig offen­ba­ren könnte.
      Die Wahl, ob ich nur eigene Erfah­run­gen berück­sich­ti­gen sollte oder aber auch die Erfah­run­gen ande­rer.
      Und die Wahl, ob ich die Sym­ptome und Indi­zi­en­be­weise, die sich bereits offen­bart haben, so lange wie nur mög­lich igno­riere. Diese Wahl steht jedem zu und hängt mit eige­nen Lebens­phi­lo­so­phie zusam­men.

      So fin­det man auch die gesamte Band­breite vor: Auf der einen Seite Men­schen, die regel­recht nach gro­ßen und pro­blem­be­la­de­nen The­men Aus­schau zu hal­ten schei­nen und dabei zu über­se­hen schei­nen, dass das Leben auch Spaß machen darf …

      … und auf der ande­ren Seite Men­schen, die immer wie­der mit Anlauf gegen die­selbe Wand ren­nen und wohl davon aus­ge­hen, dass irgend­wann eine magi­sche Tür an der Stelle auf­ge­hen wird oder die Wand sich von selbst in Luft auf­lö­sen wird.

  2. Vie­len Dank für den Arti­kel. Die­ser ermu­tigt mich noch mehr dazu, gna­den­los ehr­lich mit sich selbst zu sein. Dazu ist manch einer erst­mal ein­fach zu faul. Mensch­lich.
    Ich habe genug Male die Erfah­rung machen müs­sen, dass meine Untreue mei­nen eigent­li­chen Wer­ten, Wün­schen und Bedüf­nis­sen gegen­über, sich sogleich im Außen spie­gelte. So brauchte ich mich nicht wun­dern, wenn ich selbst plözt­lich ange­lo­gen oder hin­ter­gan­gen wurde. Sobald ich mich selbst anlüge, bewußt oder unbe­wußt, wird mir diese von der Außen­welt irgend­wie gespie­gelt. Und dann beklage ich mich noch dar­über…
    Sol­che ärger­li­che Erfah­run­gen kann man sich spa­ren. Ich lerne jeden Tag immer mehr mei­nen inne­ren Schwei­ne­hund zu über­win­den und mich den oben genann­ten und ande­ren Fra­gen zu stel­len. Nicht immer ein­fach. Aber die Bilanz zeigt: Mitt­ler­weile spare ich unheim­lich viel Zeit und Ner­ven. Und ja, das Leben macht so mehr Spaß! K.V. Levant

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