Kommentare

Der Unter­nehmer – was macht er eigent­lich den ganzen Tag? — 10 Kommentare

  1. Sie setzen voraus, dass ein Unter­nehmer in der Anfangs­phase stets Freude an seiner Tätig­keit hatte.
    Ich könnte zahl­reiche Beispiele aufzählen, die nicht aus Freude sondern z.B. aus fami­liären Gründen oder andere Zufälle zum Unter­nehmer wurden.
    Sehr oft haben Personen anstatt der Rück­zah­lung ihres Kredites oder einer Bürg­schaft an einem Freund die Rolle des Mitun­ter­neh­mers annehmen mussten, um über­haupt noch eine Rück­zah­lung zu bekommen.
    Die Arbeits­freude und die Produk­ti­vität war bei ihnen zwar nie gegeben, aber erfolg­reich waren sie trotzdem.

  2. Arbeit ist für die meisten Menschen in erster Linie reiner Geld­erwerb. Ausnahmen bestä­tigen auch hier die Regel.

    »Erfolg­reich sein« ist im Zusam­men­hang mit dem Geld­erwerb gemeint gewesen.

    Sicher­lich kann und sollte auch eine Arbeit Spaß machen, aber im Gegen­satz zu einem Hobby, ist es keine notwen­dige Voraus­set­zung dafür um sie nach­gehen zu wollen bzw. zu müssen.

    • Zunächst, Unter­neh­mertum im engeren Sinne hat etwas damit zu tun, dass man *bewusst und frei­willig* ein eigenes Kapi­tal­ri­siko trägt, um iden­ti­fi­zierte Möglich­keiten nach­zu­gehen.

      Im weiteren Sinne ist es nicht zwin­gend die Inha­ber­funk­tion, sondern viel­mehr eine »innere Haltung« als Ausdruck der eigenen Persön­lich­keit: Etwas neues erschaffen, etwas bewegen wollen.

      »Geld verdienen« kann nicht das Ziel sein, weil es ledig­lich die Folge, das posi­tive Symptom, davon ist, dass ich vorher etwas anderes richtig gemacht habe. Wenn Menschen das Ziel Geld verdienen dennoch offi­ziell verfolgen, dann verfolgen sie im Grunde das, was sie damit verbinden: Bei dem einen beispiels­weise das Bedürfnis nach Sicher­heit und Unab­hän­gig­keit und bei dem anderen das Bedürfnis nach Respekt und Aner­ken­nung von außen. 

      Wenn man sich über die eigent­li­chen Motive nicht Gewahr wird, heißt es leider häufig: Knapp daneben ist auch vorbei. So finden Sie genü­gend Beispiele für reiche Menschen, die schlaf­lose Nächte haben, weil sie um ihr Geld bangen (= noch weit weg vom eigent­li­chen Ziel der Sicher­heit und Unab­hän­gig­keit) oder die ein mise­ra­bles öffent­li­ches Image haben und ständig durch Spenden und gute Taten das Image zu korri­gieren versu­chen (= noch weit weg von Respekt und Aner­ken­nung von außen).

      Ich behaupte das o.g. deswegen, weil ich mich von Berufs wegen darüber mit Menschen austau­sche.

      Zurück zum Thema »etwas richtig machen, damit man in der Folge Geld verdient«. Dieses etwas kann ich gerne und mit Freuden machen oder unter Druck von außen oder innen. Wenn der Unter­nehmer keine Freude empfindet, wird er auch nur schwer Freude vermit­teln können. Bitte das Thema nicht im Kontext verstehen als »die Mitar­beiter und ich versam­meln uns und tanzen um den Baum auf dem Betriebs­ge­lände«.

      Das ist zu verstehen im Sinne von: Das, was ich gerne mache, »geht mir leicht von der Hand«. Das ist nur eine andere Umschrei­bung für »höhere Produk­ti­vität«. Also genau das, wofür Unter­nehmen Unsummen ausgeben, um sie zu errei­chen. Oder anders gesagt: Das ist der Faktor, der entscheidet, ob Ihre Mitar­beiter frei­willig und unbe­zahlt Über­stunden machen oder aber für jede ange­ord­nete Über­stande eine Woche krank feiern.

  3. Einige Themen, die man einzeln anspre­chen müsste.

    Unter­neh­mertum hat nicht zwin­gend mit Frei­wil­lig­keit und ein bewußtes Eingehen von Risiken zu tun. Zahl­reiche Unter­nehmer aus 2. oder 3. Gene­ra­tion gehen ledig­lich die Fami­li­en­tra­di­tion nach, da ihnen die Fami­li­en­tra­di­tion wich­tiger erscheint als etwas zu bewegen oder sich selbst zu verwirk­li­chen. Diese sind nicht zwin­gend weniger Erfolg­reich als die anderen. Oft gab es auch fami­liär kaum eine Alter­na­tive.

    Geld verdienen kann auch ein Ziel sein ohne das verdiente Geld mit Aner­ken­nung, Unab­hän­gikeit oder Respekt zu vebinden. Sie werden mir sicher­lich Recht geben, dass es zahl­reiche Personen gibt von deren Vermögen nur ein unver­meid­li­cher kleiner Perso­nen­kreis Kenntnis hat.
    Diese sind vergleichbar mit Samm­lern, deren Samm­lung nur ihnen alleine Freude machen sollte. Wer nicht mit seinem Geld hausieren geht, braucht auch nicht über Image­pro­bleme nach­zu­denken. Verlust­ängst steigen sicher­lich wenn es mehr zu verlieren gibt, da sind wir uns glei­cher Meinung.

    Wer zu Ihnen kommt hat ein Problem welches er mit Ihrer Hilfe zu lösen versucht. Es bedeutet aber nicht im Umkehr­schluß, dass alle diese Probleme haben, nur weil sie die problem­be­haf­teten Fälle kennen­ge­lernt haben.

    Sowohl bei Unter­neh­mern als auch bei Mitar­bei­tern gibt es Personen die mehr Freude und andere die mehr Druck benö­tigen, oft aber beides wird benö­tigt um erfolg­reich zu sein. Die Biogra­phien der Spit­zen­sport­lern zeigt beispiels­weise, dass die Fünf­jäh­rige damals ange­hende Eiskunst­läu­ferin nicht nur aus purer Freude jahre­lang täglich mehrere Stunden traniert hat.

    Etwas was leicht von der Hand geht, ist eher Ausdruck von Erfah­rung und Übung als ein Ausdruck der Freude.

    • Meine Defi­ni­tion des Unter­neh­mer­tums oben war quasi die »offi­zi­elle« Defi­ni­tion. Aber der kurze Austausch zwischen uns zeigt doch das Problem sehr deut­lich, das ich in dem Artikel zu kurz thema­ti­siert habe: Rollen­de­fi­ni­tionen.

      Ein Fall zeigt das sehr deut­lich: Ich wurde mit einem Konflikt­coa­ching zwischen zwei GF-Ges. beauf­tragt. Zur Über­ra­schung der Betei­ligten stellte sich heraus, dass alle »Sach«-Konflikte letzt­lich auf ein Thema zurück­gingen: Seiner­zeit bei der Grün­dung waren sie sich zwar einig, dass sie richtig viel Geld verdienen wollen, P1 hatte aber vor Augen: Jeder macht seins und beläs­tigt den anderen nicht und man teilt sich die Kosten. Und der P2 hatte vor Augen: Endlich kann ich mit jmd., den ich vertraue, alle Themen gemeinsam bespre­chen, anstatt allein vor mich hinzu­wurs­teln. Leider hatten sie nie zuvor explizit darüber gespro­chen! Und wie kamen wir auf dieses Thema? Indem ich das Thema »Freude und Spaß im Beruf« thema­ti­siert habe :-)

      Was das Thema Mitar­bei­ter­füh­rung betrifft, es stimmt zwei­fels­ohne, dass Menschen unter­schied­liche Bedürf­nisse haben. Das Thema Spaß im Beruf würde ich jedoch auch hier anders sehen: Ich kenne Orga­ni­sa­tionen mit viel Druck und null Spaß, ich kenne aber auch solche: Die Mitar­beiter haben extrem harte Verkaufs­ziele, empfinden sich gegen­seitig als interne Wett­be­werber und stacheln sich laufend gegen­seitig an. Dennoch lachen der Chef und seine Mitar­beiter viel mitein­ander, feiern mitein­ander ihre Erfolge usw. Ich persön­lich würde immer zu der letzten Alter­na­tive raten. Ich bin über­zeugt, dass die Perfor­mance besser ist, wenn man Spaß am Beruf hat.

  4. Ich würde mich sehr freuen einen Artikel hier zu entde­cken, der das Thema Rollen­ver­mi­schung genau anspricht. So kenne ich selbst in meinem Kunden- und Freun­des­kreis Menschen die sowohl Unter­nehmer, als auch Geschäfts­führer, Manager, Kunden­be­treuer und manche sogar gele­gent­lich Putz­frau /-mann gleich­zeitig sind. Sie sind zwar stolz darauf, beklagen sich aber ständig über mangelde Zeit und Schlaf Unko­or­di­niert­heit im Alltag, Vergessen von wich­tigen Terminen, was mit Kosten einher­geht, etc. 

    Meines Erach­tens, geht es hier auch um das mangelnde Dele­gieren, alles Kontrol­lieren wollen und Klar­heit über Erwar­tungen der anderen. Teil­wiese spricht der Artikel das auch an.
    Nur das Anspre­chen der Erwar­tung an mich selbst und somit meine eigene Verstri­ckung bei der Rollen­ver­mi­schung und die Konse­quenzen fehlt mir noch.
    Eine max. zwei Rollen im Unter­nehmen zu erfüllen wären lang­fristig gesünder für alle. Oder doch lieber nur eine?
    Aller­dings wie soll das für einen verant­wort­li­chen Gründer möglich sein dies auch und konse­quent und über Jahre durch­zu­ziehen?

    Herz­li­chen Dank im Voraus für Ihre Antwort

    • Herz­li­chen Dank für Ihr Kommentar. Das Thema „Rolle des Unter­neh­mers“ wird übri­gens von einer anderen Perspek­tive im Teil 3 meiner Video-Reihe thema­ti­siert. Falls es Sie inter­es­siert, bitte ich um eine „offi­zi­elle“ Kontakt­auf­nahme und ich sende Ihnen gerne den Link zu.

      Gele­gent­lich berate ich Exis­tenz­gründer, die auf Empfeh­lung zu mir gefunden haben. Die wich­tigste Frage, die ich mit ihnen kläre, lautet: Haben Sie die „innere Haltung“ eines Selbst­stän­digen oder die eines Unter­neh­mers? Wohl gemerkt, ich rede hier von Haltung und nicht von der Rechts­form!

      Wenn man die Haltung eines Selbst­stän­digen hat, hat man gerne alles unter Kontrolle. Das Geschäfts­mo­dell ist abhängig von einem selbst. Wenn ein paar Jahre später und 20 Mitar­bei­tern weiter die Person immer noch mit dieser Haltung unter­wegs ist, dann ist Burn-out nicht mehr weit: Sie hat zwischen­zeit­lich eine Wochen­ar­beits­zeit von 70 Stunden, weil sie für alle 20 mitdenkt und sich um alles kümmert. In der Tat, loslassen und dele­gieren können, ist das Gebot der Stunde. Mögli­cher­weise kommt man erst dann dahin, wenn man Zeit in die Weiter­ent­wick­lung der eigenen Persön­lich­keit inves­tiert.

      Wenn man die Haltung eines Unter­neh­mers hat, beauf­tragt man gerne andere: „Buch­hal­tung? habe ich keine Ahnung, das macht X, Social media Mark­eing? Da habe ich den super Experten Y, meine Website hat Z gemacht“. Das Geschäfts­mo­dell ist unab­hängig von einem selbst. Das Problem ist, dass man ständig von der Meinung und Einschät­zung anderer abhängig ist, weil man es nicht selbst kann auch wenn man wollte. Soweit möglich, selbst lernen, um Krite­rien für gute und schlechte Arbeit fest­legen zu können und dann erst outsourcen, ist das Gebot der Stunde. 

      Zu Ihrer anderen Frage: Ich glaube viel wich­tiger als die Frage, ob man eine oder mehrere Rollen hat, ist, sich bewusst zu sein, wo die eine anfängt und die andere aufhört, wo Rollen­kon­flikte lauern und welche Spiel­re­geln man daher mit sich selbst und anderen benö­tigt. Beispiel:

      Ange­nommen Sie sind Inhaber und Geschäfts­führer in einer Person: Mögli­cher­weise müssten Sie als Inhaber längst sich selbst als Geschäfts­führer kündigen, weil wesent­lich quali­fi­zier­tere Geschäfts­führer Schlange stehen, um Ihr Vermögen zu mehren. Mögli­cher­weise müssten Sie als Geschäfts­führer längst sich neue Inhaber suchen, weil Sie als Inhaber zu viel Geld entnehmen und daher Ihnen als Geschäfts­führer das Geld für Inves­ti­tionen fehlt!

  5. Hallo,

    zunächst danke ich euch für die netten Kommen­tare. Ihr habt mir einige Fragen beant­wortet. Eine offene Frage hätte ich noch. Letzte Woche bin ich auf ein Bericht gestoßen, hierbei wurde das Unter­nehmen .… erwähnt. Könnt ihr mich etwas schlauer machen? Ich hoffe, dass ich hier richtig bin mit meinem Anliegen. Was für ein Unter­nehmen ist … ? 

    Vielen dank im vorraus

    Robin ;)

    • Guten Abend und nein, sind Sie nicht. Um nach Unter­neh­mens­in­for­ma­tionen zu suchen, greifen Sie bitte auf Inter­net­re­cherche zurück. Ich habe den Namen des Unter­neh­mens aus Ihrem Beitrag entfernt, weil auch Schleich­wer­bung hier nicht ange­bracht ist. VG

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

EnglishGerman