In der Mitarbeiterführung setzt man einen rational denkenden Menschen voraus, der sich selbst nicht schaden wollen wird. Manchmal ein kostspieliger Irrtum!
In der Mitarbeiterführung setzt man einen rational denkenden Menschen voraus, der sich selbst nicht schaden wollen wird. Manchmal ein kostspieliger Irrtum!

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Rache an Arbeitgeber: ein oft unterschätztes Thema

4 Min.

Rache an Arbeitgeber: Das Besondere an Rache ist, dass wir wissentlich und willentlich bereit sind, einen eigenen Schaden in Kauf zu nehmen. Das ist genau der Punkt, den Arbeitgeber meist unterschätzen.

Es gibt Verhaltensweisen, die wir Menschen uns selbst nicht gerne zugestehen. “Rache” ist beispielsweise so ein Thema. Und wie gehen wir damit um? »Es kann nicht sein, was nicht sein darf«. Sie auch?

Die Frage, ob das gut oder schlecht ist, steht hier nicht zur Debatte. Mir geht es um die praktischen Konsequenzen im Berufsalltag: Wie z. B. Rache an Sie als Arbeitgeber!

Die grundsätzliche Maxime, die ich in der Arbeit mit Unternehmen verfolge, ist diese: Positive Verhaltensänderungen sind eine feine Sache, und Sie selbst können/dürfen/sollen danach streben und andere ermutigen und anspornen, danach zu streben.

Aber Sie sind gleichzeitig gut beraten, diese nicht bei anderen vorauszusetzen oder zu erwarten. Es ist zieldienlicher, wenn Sie grundsätzlich davon ausgehen, dass der Andere so bleiben wird, wie er ist.

Gehen Sie so an Themen heran, rückt nämlich eine andere essenzielle Frage in den Fokus: Wie schaffen Sie es, dass das Verhalten der anderen Person trotzdem positiv zum Gesamtnutzen beiträgt?

Rache an Arbeitgeber: Was passiert, wenn Ihre Mitarbeitenden sich ungerecht behandelt fühlen?

Laut Wikipedia ist Rache »eine Handlung, die den Ausgleich von zuvor angeblich oder tatsächlich erlittenem Unrecht bewirken soll«.

Das Besondere an Rache ist, dass wir wissentlich und willentlich bereit sind, einen eigenen Schaden in Kauf zu nehmen: Wenn ich auf Rache aus bin, ist es mir egal, ob ich selbst einen (hohen) Preis dafür zahlen muss, denn Hauptsache der Andere wird bestraft.

Das ist genau der Punkt, den Sie beim Thema “Rache an Arbeitgeber” m. E. meist in Fragen der Mitarbeiterführung unterschätzen: Sie setzen grundsätzlich einen rational denkenden Menschen voraus, der sich selbst nicht schaden wollen wird.

Exkurs: das Ultimatumspiel
Das sogenannte “Ultimatumspiel” hat dieses unlogische Phänomen in vielen empirischen Studien belegt. Das Spiel ist in etwa so aufgebaut: Testperson A bekommt Geld und kann freiwillig einen Anteil davon an Testperson B abgeben. B kennt die Gesamtsumme und kann entscheiden, ob sie den angebotenen Betrag annimmt oder nicht. Wenn sie ihn annimmt, ist alles gut. Aber wenn nicht, bekommt auch A kein Geld.

Die magische Grenze liegt bei ca. 30 %. Je mehr man von dieser Grenze nach unten abweicht, desto wahrscheinlicher wird es, dass B das Geld ablehnt. Rational wäre eher der Gedanke: 10 %? Warum nicht, denn das ist immer noch mehr als das, was ich jetzt habe. Aber das Gefühl, A seinen unverschämten Geiz heimzahlen zu wollen, überschreibt die Logik.

Racheakte zwischen unterschiedlichen Hierarchien

Von oben nach unten, von unten nach oben, Rachehandlungen können Sie in allen Hierarchien im Unternehmen und bei allen möglichen Themen wiederfinden:

  • von einer schlechten Beurteilung des Arbeitgebers auf Beurteilungsportalen (oder sogar gegenüber Kunden!),
  • über eine absehbar chancenlose und daher kostspielige fristlose Kündigung eines Mitarbeiters,
  • bis hin zu einer Denunziation bei Steuer- oder Zollbehörden.

Es gibt vermutlich nur eine einzige brauchbare Rachevermeidungsstrategie und die ist eine einfache Binsenweisheit: »Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden willst«.

Damit nämlich der andere sich fair behandelt fühlt, Müssen Sie ihn zunächst fair behandeln wollen: Sei es bei der Frage der Gehälter, der Gestaltung von Arbeitszeiten, bei der Frage, ob Sie Ihre Interessen durch Machtausübung oder Überzeugung durchsetzen, ob Sie Zusagen einhalten, usw.

Sonst entwickelt der einfallsloseste und energieloseste Mensch eine ungeahnte Energie und Kreativität, um sich rächen zu können. Wohl gemerkt, ungeachtet der Tatsache, ob das Verhalten ihm auch selbst schadet oder nicht.

Racheakte zwischen Kollegen

In Sachen Ursachenbehandlung gibt es natürlich die “üblichen Verdächtigen”, die den Grundstein für den künftigen Racheakt legen, und die Sie als Arbeitgeber mit einer Nulltoleranzhaltung begegnen sollten: Mobbing, üble Nachrede, Sexismus, Rassismus, etc.

Auf der Ebene der Symptombehandlung haben hier Konflikt-Coachs und Mediatoren ihren Auftritt.

Manchmal aber hört man von regelrechten langjährigen Rachefeldzügen zwischen Personen und Abteilungen. Manchmal sogar auf der Ebene der Geschäftsführer oder Anteilseigner.

Ursache und Wirkung sind längst nicht mehr eindeutig auszumachen. Spätestens jetzt lohnt es sich, sich der eingangs gestellten Frage zuzuwenden: »Wie schaffen Sie es, dass der Rachegedanken positiv zum Gesamtnutzen beiträgt?«

Die Beantwortung ist zwar nicht einfach und erfordert viel Kreativität, aber sie ist dennoch möglich. Denn mit der Zerstörungskraft geht auch eine schöpferische Willenskraft und Kreativitätsentfaltung einher. Im Außenverhältnis wird das deutlich: Ich vermute, dass manch ein innovatives Produkt letztlich aus Rache entstanden ist, weil man es dem Konkurrenten oder den Kritikern zeigen wollte.

Sollten Sie aufgrund des Beitrages die momentane Situation in Ihrer Firma wiederfinden, kontaktieren sich mich und wir suchen gemeinsam kreativ nach einer passenden Strategie.

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