Das Besondere an Rache ist, dass wir wissentlich und willentlich bereit sind, einen eigenen Schaden in Kauf zu nehmen. Das ist genau der Punkt, den Arbeitgeber bei der Mitarbeiterführung meist unterschätzen: Sie setzen grundsätzlich einen rational denkenden Menschen voraus, der sich selbst nicht schaden wollen wird.
Es gibt Verhaltensweisen, die wir Menschen uns selbst nicht gerne zugestehen. »Rache« ist beispielsweise so ein Thema. Und wie gehen wir damit um? »Es kann nicht sein, was nicht sein darf«.
Die Frage, ob das gut oder schlecht ist, steht hier nicht zur Debatte. Mir geht es um die praktischen Konsequenzen im Berufsalltag.
gbcc-Akademie mit neuem Inhalt!

- Persönlichkeitsentwicklung:
Warum ticke ich so, wie ich ticke? Und was nun? - Mitarbeiterführung:
Leitende Tätigkeiten braucht jedes Unternehmen – aber nicht zwingend Hierarchien! - Prozessmanagement:
Silodenken überwinden, professionell & produktiv zusammenarbeiten! Geht das? - Kommunikation:
Warum reden wir aneinander vorbei und was können wir dagegen tun?
Die grundsätzliche Maxime, die ich in der Arbeit mit Firmen verfolge, ist diese: Positive Verhaltensänderungen sind eine feine Sache, und man selbst kann/darf/soll danach streben und andere ermutigen und anspornen, danach zu streben. Aber man ist gleichzeitig gut beraten, diese nicht bei anderen vorauszusetzen oder zu erwarten. Es ist zieldienlicher, wenn man grundsätzlich davon ausgeht, dass der andere so bleiben wird, wie er ist.
Geht man so an Themen heran, rückt nämlich eine andere essenzielle Frage in den Fokus: Wie schaffe ich es, dass das Verhalten des anderen trotzdem positiv zum Gesamtnutzen beiträgt?
Was passiert, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt?
Laut Wikipedia ist Rache »eine Handlung, die den Ausgleich von zuvor angeblich oder tatsächlich erlittenem Unrecht bewirken soll«.
Das Besondere an Rache ist, dass wir wissentlich und willentlich bereit sind, einen eigenen Schaden in Kauf zu nehmen: Wenn ich auf Rache aus bin, ist es mir egal, ob ich selbst einen (hohen) Preis dafür zahlen muss, denn Hauptsache der andere wird bestraft.
Das ist genau der Punkt, den Arbeitgeber m. E. meist in Fragen der Mitarbeiterführung unterschätzen: Sie setzen grundsätzlich einen rational denkenden Menschen voraus, der sich selbst nicht schaden wollen wird.
Exkurs: das Ultimatumspiel
Das sogenannte »Ultimatumspiel« hat dieses unlogische Phänomen in vielen empirischen Studien belegt. Das Spiel ist in etwa so aufgebaut: Testperson A bekommt Geld und kann freiwillig einen Anteil davon an Testperson B abgeben. B kennt die Gesamtsumme und kann entscheiden, ob sie den angebotenen Betrag annimmt oder nicht. Wenn sie ihn annimmt, ist alles gut. Aber wenn nicht, bekommt auch A kein Geld.
Die magische Grenze liegt bei ca. 30 %. Je mehr man von dieser Grenze nach unten abweicht, desto wahrscheinlicher wird es, dass B das Geld ablehnt. Rational wäre eher der Gedanke: 10 %? Warum nicht, denn das ist immer noch mehr als das, was ich jetzt habe. Aber das Gefühl, A seinen unverschämten Geiz heimzahlen zu wollen, überschreibt die Logik.
Racheakte zwischen unterschiedlichen Hierarchien
Von oben nach unten, von unten nach oben, Rachehandlungen können Sie in allen Hierarchien im Unternehmen und bei allen möglichen Themen wiederfinden: von einer schlechten Beurteilung des Arbeitgebers auf Beurteilungsportalen (oder sogar gegenüber Kunden!), über eine absehbar chancenlose und daher kostspielige fristlose Kündigung eines Mitarbeiters, bis hin zu einer Denunziation bei Steuer- oder Zollbehörden.
Es gibt vermutlich nur eine einzige brauchbare Rachevermeidungsstrategie und die ist eine einfache Binsenweisheit: »Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden willst«.
Damit nämlich der andere sich fair behandelt fühlt, muss ich ihn zunächst fair behandeln wollen: Sei es bei der Frage der Gehälter, der Gestaltung von Arbeitszeiten, bei der Frage, ob ich meine Interessen durch Machtausübung oder Überzeugung durchsetze, ob ich Zusagen einhalte, usw. Sonst entwickelt der einfallsloseste und energieloseste Mensch eine ungeahnte Energie und Kreativität, um sich rächen zu können. Wohl gemerkt, ungeachtet der Tatsache, ob das Verhalten ihm auch selbst schadet oder nicht.
Racheakte zwischen Kollegen
In Sachen Ursachenbehandlung gibt es natürlich die »üblichen Verdächtigen«, die den Grundstein für den künftigen Racheakt legen, und die Sie als Arbeitgeber mit einer Nulltoleranzhaltung begegnen sollten: Mobbing, üble Nachrede, Sexismus, Rassismus, etc.
Auf der Ebene der Symptombehandlung haben hier Konflikt-Coachs und Mediatoren ihren Auftritt.
Manchmal aber hört man von regelrechten langjährigen Rachefeldzügen zwischen Personen und Abteilungen. Manchmal sogar auf der Ebene der Geschäftsführer oder Anteilseigner.
Ursache und Wirkung sind längst nicht mehr eindeutig auszumachen. Spätestens jetzt lohnt es sich, sich der eingangs gestellten Frage zuzuwenden: »Wie schaffe ich es, dass der Rachegedanken positiv zum Gesamtnutzen beiträgt?«
Die Beantwortung ist zwar nicht einfach und erfordert viel Kreativität, aber sie ist dennoch möglich. Denn mit der Zerstörungskraft geht auch eine schöpferische Willenskraft und Kreativitätsentfaltung einher. Im Außenverhältnis wird das deutlich: Ich vermute, dass manch ein innovatives Produkt letztlich aus Rache entstanden ist, weil man es dem Konkurrenten oder den Kritikern zeigen wollte.
Sollten Sie aufgrund des Beitrages die momentane Situation in Ihrer Firma wiederfinden, kontaktieren sich mich und wir suchen gemeinsam kreativ nach einer passenden Strategie.

