Manchmal sind bauliche Veränderungen während des laufenden Betriebes die einzig verfügbare Option. Sogar bei voller Auslastung. Was gilt zu berücksichtigen?
Manchmal sind bauliche Veränderungen während des laufenden Betriebes die einzig verfügbare Option. Sogar bei voller Auslastung. Was gilt zu berücksichtigen?

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Bauliche Veränderungen bei laufendem Betrieb

3 Min.

Manchmal sind bauliche Veränderungen wie z. B. der Umbau der einzigen Produktionsstätte während des laufenden Betriebes – und sogar bei voller Auslastung – die einzig verfügbare Option.

Autor: Dipl. Ing. Darius Ghaffari

Szenario: Ein mittelständiges Unternehmen ist in der glücklichen Lage, expandieren zu wollen bzw. zu müssen, denn die vorhandenen Kapazitäten können nicht mehr den Produktionsbedarf abdecken.

Nachdem alle anderen Mittel der Produktionssteigerung ausgeschöpft wurden, bleiben als Lösung des größeren Flächenbedarfes nur noch die bauliche Erweiterung und der Umbau der einzigen Produktionsstätte übrig, und zwar während des laufenden Betriebes und sogar bei voller Auslastung.

Auf den ersten Blick ein Horrorszenario. Diese Baumaßnahme muss aber nicht ein Horrorszenario werden, wenn mit realistischen Annahmen und Zielen und durch optimierte Abläufe dem Umbau Rechnung getragen wird.

“Wasch mich, aber mach mich nicht nass” ist keine realistische Annahme. Daher ist zuerst zu erwähnen, dass ein gänzlich störungsfreier Umbau nicht möglich ist, dennoch kann man die Störung reduzieren.

Jeder Bau ist mit Lärm, Dreck und ein ständiges Kommen und Gehen behaftet und benötigt auch Teile der vorhandenen, sicherlich knappen, Flächen. Dennoch muss in der ständigen Absprache mit dem Betrieb tragbare Kompromisse für die Störungsminimierung gefunden werden.

Des Weiteren ist noch zu erwähnen, dass ein früherer Beginn einer Baustelle nicht zwangsläufig zu einem schnelleren Ende dieser Maßnahme führen muss. Vielmehr von entscheidender Rolle für eine kurze Bauphase kann die Vorfertigung einzelner Bauteile außerhalb der Baustelle sein. Von den Beton-Fertigteilen bis hin zu komplett Fertig-Nasszellen, viele Bauteile können außerhalb der Baustelle hergestellt und vor Ort montiert werden. Die Qualitätskontrollen sollten dann bei dem Lieferanten stattfinden, um nicht erst bei Lieferung Überraschungen und dadurch Zeitverzögerungen zu erleben.

Diese Vorgehensweise setzt voraus, dass sich die Baubeteiligten von der liebgewonnenen Praxis verabschieden, direkt mit der Erteilung der Baugenehmigung auch mit dem Bau beginnen zu wollen und quasi den Planungsprozess baubegleitend ablaufen zu lassen. Der vorgelagerte Planungsprozess stört schließlich nicht den laufenden Betrieb des Unternehmens, hingegen eine lang andauernde Baustelle umso mehr.

Auch eine eiserne Disziplin der Beteiligten ist hier gefragt, um sich an gesetzte Termine zu halten und nicht während des Bauvorhabens noch Bemusterungen, Alternativen oder gar neue Grundsatzentscheidungen treffen zu wollen.

Zu guter Letzt, sollte man sich von der üblichen Praxis verabschieden, dass der letzte Handwerker für den Möbelpacker die Tür aufhält. Eine ausreichende Zeit für Tests, Probebetrieb, Einregulierungen und Mängelbeseitigungen sollten vorgesehen werden, bevor in den neuen Flächen der Betrieb mit seiner Arbeit beginnt.

Nur so konnten wir in der Vergangenheit eine 5000 m2 große Betriebstätte in fünf Monaten oder einen Ferienwohnkomplex mit 30 Wohnungen innerhalb von vier Monaten Bauzeit erstellt werden.

Aus wirtschaftlicher Sicht ist es angebracht, nicht nur den Kosten einer herkömmlichen Bauweise die Kosten einer weitgehend vorgefertigten Bauweise gegenüber zu stellen, sondern auch die Kosten der Betriebsstörungen sollten in diese Berechnung mit einbezogen werden.

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