Entscheidungsprozesse: Das, was man in Unternehmen als eine „Entscheidung“ deklariert, wird nur selten der Tragweite gerecht, die dieses Wort impliziert.
Entscheidungsprozesse: Das, was man in Unternehmen als eine „Entscheidung“ deklariert, wird nur selten der Tragweite gerecht, die dieses Wort impliziert.

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Entscheidungsprozesse in Unternehmen

5 Min.

Entscheidungsprozesse: Eine Entscheidung treffen ist die zwingende Ausgangsposition für jedes Projekt. Jedoch das, was man als „Entscheidung“ deklariert, wird nur selten der Tragweite gerecht, die dieses Wort impliziert.

Entscheidungsprozesse in Unternehmen beobachte ich schon sehr lange. Nicht nur als involvierter leitender Angestellter in Großkonzernen oder als Geschäftsführer, sondern auch weil ich seit ca. 25 Jahren Firmenkunden Produkte und Dienstleistungen verkaufe und dafür eine Entscheidung des Käufers benötige.

Meiner Beobachtung nach gibt es zwei Ausprägungen von Entscheidungsprozessen, die seltener vorkommen. Sie bilden die beiden Enden der möglichen Bandbreite: zweifelsfrei entscheider-zentriert und zweifelsfrei prozess-zentriert.

Zweifelsfrei entscheider-zentriert

»Nachdem ich mich versammelt habe, habe ich einstimmig entschieden!«

Wir haben es hier mit der einen Person zutun, die bei einer Entscheidung zu diesem Thema das letzte Wort hat. Nicht mehrheitlich und demokratisch, sondern basta!

Man darf sich nicht täuschen lassen: Nach außen – und auch nach innen – kann das Unternehmen durchaus den Anschein erwecken (wollen), dass Entscheidungsprozesse vorhanden sind und mehrere Entscheider mitwirken.

Dieses Drumherum ist aber letztlich nur Makulatur und dieser Entscheider hält sich möglicherweise gar nicht an das Votum der Entscheidungsvorbereiter oder an die ermittelten Fakten.

Als Lieferant weiß man: Schafft man es direkt mit dieser Person zu sprechen und sie unmittelbar zu überzeugen, kann die Auftragsvergabe sehr schnell gehen: »Können Sie gestern liefern?«

Neben der Schnelligkeit und Eindeutigkeit bietet diese Lösung den weiteren Vorteil, dass auch intuitive Entscheidungen getroffen werden können. (Siehe hierzu den Beitrag: »Rationale versus Bauchentscheidungen – was ist besser?«). Im operativen Tagesgeschäft sind die Vorteile einer schnellen Entscheidung von unschätzbarem Wert.

Ein möglicher Nachteil ist, dass nach und nach die kritischen Stimmen der anderen verstummen und dadurch einsame und falsche Entscheidungen getroffen werden, die kostspielige Folgen haben.

Zweifelsfrei prozesszentriert

»Ich bin gespannt wie das Votum ausfallen wird!«

Die Einhaltung eines vordefinierten Prozesses hat eindeutig die Priorität. Auch hier darf man sich nicht täuschen lassen: Nach außen – und auch nach innen – werden leitende Angestellte möglicherweise den Eindruck erwecken (wollen), dass sie wichtige Entscheidungen treffen dürfen.

Auffällig ist bei einer solchen Organisation, dass niemand sich wirklich für eine Fehlentwicklung aufgrund einer falschen Entscheidung verantwortlich fühlt. Es gibt vielmehr eine kollektive Mitschuld bzw. – anders ausgedrückt – eine kollektive Absolution!

Als Lieferant weiß man: Der Prozess dauert, solange er dauert. Da kommt man nicht daran vorbei. Aber: Er hat ein absehbares Ende und man erhält ein definitives Ja oder Nein.

Je besser man die Organisation des Prozesses versteht, und die für die Prozessschritte zuständigen Personen kennt, desto eher kann man Einfluss auf die Dauer nehmen: »Für diese Entscheidung ist das Gremium XY zuständig, das jeden 2. Dienstag tagt. Die Vorlage geht über den Tisch des Herrn Müller, der darüber entscheidet, ob und in welcher Reihenfolge ein Thema als Tagesordnungspunkt aufgenommen wird. Herr Müller legt dabei Wert auf[…]«.

Positiv ist anzumerken, dass im Rahmen des Prozesses unterschiedliche Fakten beleuchtet und unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt werden. Das macht sich bei neuen und ungewöhnlichen Themen besonders bezahlt. Ferner lösen positive Entscheidungen i. d. R. auch die dazugehörige vordefinierte Kaskade von Umsetzungsmaßnahmen aus. Das ist besonders vorteilhaft bei großen und bereichsübergreifenden Projekten.

Ein möglicher Nachteil ist, dass Entscheidungen, die im operativen Geschäft dringend benötigt werden, auf sich warten lassen. Ein weiterer Nachteil sind die politischen Kompromisse, die notwendig sind, um eine mehrheitsfähige Entscheidung zu erzielen.

Weder Fisch noch Fleisch

»Ja, darüber sollten wir unbedingt reden!«

Nachdem wir die beiden Enden betrachtet haben, was ist nun mit der breiten Mitte? Die Vielfalt, die man hier vorfindet, beeindruckt mich immer wieder. Alle Varianten haben meist eines gemeinsam: Es gibt eine offizielle Lesart und es gibt viele Ausnahmen von der Regel. Da das so ist, wird die offizielle Lesart von allen auch offiziell geteilt, denn jeder sieht eine Chance dafür, dass er vor, während oder nach dem Entscheidungsprozess die Entscheidung bzw. die Konsequenzen der Entscheidung zu seinen Gunsten verändern kann.

Seit ich begonnen habe, in der ersten Phase meiner A.D.L.E.R-Methode die Meta-Perspektive einzunehmen, um die wahren Ursachen einer Störung zu identifizieren, wurde mir die Brisanz dieser Thematik immer bewusster.

Denn genau dieses Spiel ist nicht selten einer der Hauptgründe dafür, dass Projekte blockiert sind und sogar im Sande verlaufen. Neben der oben thematisierten Problematik, wie man zu einer Entscheidung findet, kommt hinzu, was man eigentlich entscheidet: Denn eine Entscheidung treffen ist die zwingende Voraussetzung für jedes Projekt, jedoch das, was man als „Entscheidung“ deklariert, wird nur selten der Tragweite gerecht, die dieses Wort impliziert:

  • Kritisch den Grund hinterfragen, warum man etwas haben will,
  • alternative Lösungen berücksichtigen,
  • den Preis kennen, den man bereit ist für die gewählte Lösung zu zahlen,
  • Ross und Reiter und die Spielregeln festlegen,
  • die Konsequenzen festlegen, die ein Verstoß gegen die Spielregeln mit sich bringt,
  • ein Exitszenario haben, sollte der Nutzen der Lösung niedriger und/oder der Preis höher ausfallen als man ursprünglich glaubte, etc.

Was ist die richtige Lösung für Ihr Unternehmen?

Die kurze Antwort: Es gibt nicht die richtige Lösung, denn jede Lösung wird Vor- und Nachteile haben.

Es gilt daher, sich diese bewusst zu machen und eine Balance zu finden, die die Gemeinschaft als gemeinsame Spielregel akzeptiert und zum gewünschten Ergebnis führt.

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Sollten Sie meine Hilfe als externer Begleiter in Anspruch nehmen, werden wir uns mit den Grundannahmen von unterschiedlichen Lösungsansätzen und deren Vor- und Nachteilen befassen, um die Lösung gemeinsam zu erarbeiten, auf die man sich einigen kann. Ein positiver Nebeneffekt einer solchen Herangehensweise: Es wird allen Beteiligten klarer, wer im Unternehmen nicht zu diesen Spielregeln passt!

Mein Angebot an Sie: Ich besitze die notwendigen Tools und Fertigkeiten, um Sie und Ihr Unternehmen durch diesen schwierigen – aber äußerst spannenden – Prozess zu begleiten. Lassen Sie uns damit beginnen. Der erste Schritt ist ein unverbindliches Erstgespräch.


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