Die Wahrscheinlichkeit, dass wir eine Situation oder einen Menschen richtig bewerten, ist dann am größten, wenn Intuition und kritische Reflexion zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Was ist aber wenn nicht?
In den verschiedensten Bereichen des Alltags beobachten Neurowissenschaftler, dass rationale Entscheidungen oder mehr Analyse nicht unbedingt zu gewünschten Ergebnissen führen. Bauchentscheidungen führen manchmal zu besseren Ergebnissen.
Wie kann das aber sein? Ist unser Verstand etwa dümmer, als wir dachten? Nicht unbedingt, aber die Kapazität der bewussten Ratio ist begrenzt.
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Warum reden wir aneinander vorbei und was können wir dagegen tun?
*) Der Gehirnforscher Gerhard Roth, Professor für Verhaltensphysiologie an der Universität in Bremen schätzt, dass uns weniger als 0,1 % dessen, was unser Gehirn tut, aktuell bewusst wird. Somit werden 99,9 % unbewusst erledigt.
Die bewusste Ratio ähnelt einem Scheinwerferlicht, das einen Punkt im Raum klar beleuchten kann. Der Rest des Raumes bleibt im Dunkeln.
Unser bewusstes Denken ist somit sehr präzise und fokussiert, fixiert sich aber auf Details und verliert schnell das große Ganze aus dem Auge.
Unser Unterbewusstsein gleicht dagegen eher einem schwachen Flutlicht, mit dem man nicht jede kleine Feinheit erkennen kann. Alles wird ein bisschen beleuchtet.
Bei komplexen Situationen erweist sich diese Schwäche aber als sehr erfolgreich: Dadurch, dass unser Unterbewusstsein einen Blick für das große Ganze hat, behält bei komplexen Fragen den Überblick und trifft die bessere Entscheidung.
Unser Bewusstsein hingegen würde bei komplexen Fragen sehr schnell an die natürlichen Kapazitätsgrenzen gelangen und sich in der Not an einige wenige Details klammern, was i. d. R. zu einer falschen Entscheidung führt.
Die Wahrscheinlichkeit, dass wir eine Situation oder einen Menschen richtig bewerten, ist dann am größten, wenn Intuition und kritische Reflexion zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Was ist aber wenn nicht?
Regel Nr. 1
Wer bereits viel Erfahrung auf einem Gebiet hat, kann sich meist auf sein Bauchgefühl verlassen.
Ist man dagegen ein blutiger Laie tut man gut daran, sich mehr Zeit zu lassen und sich ausführlich und analytisch mit der Situation zu befassen.
Regel Nr. 2
Je unübersichtlicher und komplexer die Situation, desto öfter versagt die Analyse und die Intuition ist vorteilhafter.
Praktische Konsequenzen für Ihr Unternehmen
Die Maxime, an der ich mich als Ihr Unternehmer-Sparringspartner orientiere, lautet: Alle Entscheidungen, die im regulären Geschäftsbetrieb anfallen, sollten auch von den operativen Verantwortlichen getroffen werden. Wofür sonst macht es Sinn, dass Sie als Unternehmer einen Gehaltsaufschlag für die »Seniorität« Ihrer Fachkräfte oder Manager in Kauf nehmen?
Denn wenn Ihr erfahrener Produktentwickler oder Key-Account-Manager, oder … seine künftige Strategie vor einem Gremium rechtfertigen muss, um eine Genehmigung dafür zu erhalten, wird er sich für die rationale Alternative entscheiden, die er diesem Gremium besser »verkaufen« kann.
Das ist aber, wie wir oben sehen konnten, nicht unbedingt die beste Lösung für die Firma.
So entstehen zwar Entscheidungen, die von allen getragen werden, weil sie »vernünftig« sind. Das bedeutet im Umkehrschluss aber nicht selten: suboptimale Lösungen, die nicht das gewünschte Ergebnis bringen werden, und für die niemand die Verantwortung tragen möchte.
Im Falle des Scheiterns werden Sie vermutlich von jedem Beteiligten zu hören bekommen: »Das habe ich ja schon immer gesagt, ich hätte es natürlich anders gemacht, auf mich hört man ja nicht.«
Beim Betreten von Neuland oder bei komplexen bereichsübergreifenden Entscheidungen ist es wichtig, sich Zeit zu lassen und sich ausführlich und analytisch mit der Situation zu befassen. Vor allem mit den Fern- und Wechselwirkungen der Entscheidung, die oft mit einem Zeitverzug auftreten.
Dabei darf jedoch das große Ganze nicht aus dem Auge verloren gehen. Meiner bescheidenen Meinung nach ist aber genau das häufig der Fall.
Dafür ist es hilfreich - oder gar notwendig - dass sich eine Person für das große Ganze verantwortlich zeichnet und im Zweifelsfall auch eine intuitive Entscheidung trifft. Das ist die häufig vakante Rolle des Unternehmers. Zu diesem Thema möchte ich gerne auf meine Video-Reihe unter »Downloads« verweisen.
*) Quelle: AFNB Akademie für neurowissenschaftliches Bildungsmanagement.
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