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Interne Ent­schei­dungs­pro­zesse beim Zins- und Wäh­rungs­ma­nage­ment — 7 Kommentare

  1. Sie haben Recht, mitt­ler­weile konatk­tiert man frei­wil­lig genauso ungern seine Bank wie sei­nen Zahn­arzt.

    Frü­her dachte man die Unse­riö­sen sind nur die Ver­käu­fer die am Tele­fon, im Auf­trag irgend wel­cher Fir­men im Aus­land, Wun­der­ren­di­ten anbie­ten.

  2. Hier muss ich Ihnen erneut wider­spre­chen:

    »Man ist ja nicht unter­neh­me­risch tätig, um Risi­ken zu mei­den! Der Sinn der Sache ist es doch, Risi­ken bewusst ein­zu­ge­hen, weil man die damit ein­her­ge­hen­den Chan­cen rea­li­sie­ren möchte.«

    Man ist auch nicht unter­neh­me­risch tätig, um jedes erdenk­li­ches Risiko ein­zu­ge­hen, nur weil es Chan­cen bie­tet?

    Jeder Unter­neh­mer sollte sich eine Mei­nung dar­über bil­den, wel­che Risi­ken er bewußt ein­geht und wel­che er lie­ber ver­mei­det.
    Risi­ken wel­che man ver­mei­det, müsste man auch nicht im Not­fall »mana­gen«

    In aller Regel gehen viele Unter­neh­mer nur Risi­ken ein, deren Beur­tei­lung ihnen leich­ter fällt. Daher ist das Zins­ri­siko für viele kein geeig­ne­tes Spiel­feld dort nach Chan­cen zu suchen. Diese Mate­rie ist so kom­plex, dass drei Fach­leute vier Mei­nun­gen ver­tre­ten kön­nen, wel­che sie auch täg­lich ändern dür­fen.

    Wenn der Schus­ter bei sei­nen Leis­ten bleibt, kommt er sel­te­ner in unru­hi­gen Fahr­was­sern. Seine unter­neh­me­ri­schen Risi­ken kann er trotz­dem in sei­nem Fach ein­ge­hen. Diese Hal­tung nennt man wie im ers­ten Pos­ting beschrie­ben kon­ser­va­tiv.

    • Wie gesagt, ich weiß dass auch andere Ihre Sicht tei­len. Daher freue ich mich auf die­sen Gedan­ken­aus­tausch mit Ihnen, stell­ver­tre­tend mit vie­len, und bedanke mich dafür.

      > Jeder Unter­neh­mer sollte sich eine Mei­nung dar­über bil­den, wel­che Risi­ken er bewußt ein­geht und wel­che er lie­ber ver­mei­det.

      Genauso ist es! In die­sem Kon­text träfe das dann zu, wenn z.B. eine nur in Deutsch­land tätige Firma einen CHF-Kre­dit auf­nimmt und mit der Wäh­rungs­ent­wick­lung spe­ku­liert. Bitte beden­ken Sie jedoch: Der deut­sche Mit­tel­stand ist nicht gerade berühmt dafür, mit viel Eigen­ka­pi­tal aus­ge­stat­tet zu sein. Sie sind in der Regel in hohem Masse auf Fremd­ka­pi­tal ange­wie­sen. Das Zins­ri­siko geht die Firma somit nicht erst ein, son­dern sie hat es von Anfang an! Wenn Fir­men Risi­ken mei­den, dann las­sen sie sie ein­fach wei­ter­lau­fen! In die­sem Fall aber trifft die Firma eine aktive Ent­schei­dung zur Absi­che­rung eines bereits vor­han­de­nen Risi­kos.

      Ich per­sön­lich glaube nicht, dass der Grund in der Kom­ple­xi­tät die­ser The­ma­tik liegt. Viel­leicht liegt es daran, dass die Ver­tre­ter der Finanz­bran­che immer mehr als Ver­käu­fer und weni­ger als Bera­ter wahr­ge­nom­men wer­den, so dass man nicht recht der Bera­tung ver­traut. So greift man lie­ber auf eine Absi­che­rung zurück, die man auch als Pri­vat­per­son kennt. Das ändert sich häu­fig dann, wenn jemand ein­ge­stellt wird – z.B. ein Tre­a­su­rer – der sich mit der Mate­rie aus­kennt und man daher sei­nen Emp­feh­lun­gen folgt.

  3. « Bei­spiels­weise einen Kre­dit »vor­sichts­hal­ber« mit einem Fest­zins­satz abzu­schlie­ßen, ist nicht ein »kon­ser­va­ti­ves« vor­ge­hen, son­dern nicht sel­ten ein höchst spe­ku­la­ti­ves! Die Logik dahin­ter besagt näm­lich, dass Sie zu 100% dar­auf wet­ten, dass die Zin­sen sehr stark stei­gen wer­den!«

    Ich muss Ihnen wider­spre­chen. Es ist ein kon­ser­va­ti­ves Vor­ge­hen, wenn der Kre­dit­neh­mer heute schon Wis­sen und Fest­le­gen möchte wel­che Kre­dit­ra­ten er in zwei, fünf oder zehn Jah­ren monat­lich zu zah­len hat.

    Die­ser Kre­dit­neh­mer »wet­tet« und »spe­ku­liert« nicht dar­über, son­dern gestal­tet seine zukünf­ti­gen Belas­tun­gen nach sei­nen Erfor­der­nis­sen.

    • Herz­li­chen Dank dass Sie wider­spre­chen! Ich hatte es aus dem Grund expli­zit erwähnt, weil ich weiß, dass Ihre Mei­nung nicht sel­ten ver­tre­ten ist. Meine Theo­rie ist, dass in die­ser spe­zi­el­len Frage die Pri­vat­per­son aus uns spricht! Gerne erkläre ich was ich damit meine:

      Als Arbeit­neh­mer sind i.d.R. keine sprung­haf­ten Ver­än­de­run­gen auf der Ein­nah­me­seite zu erwar­ten. Nur die Kos­ten kön­nen einem leicht davon lau­fen. Daher ist es für die meis­ten Men­schen durch­aus hilf­reich, wenn sie ihre Kos­ten genau ken­nen und sie somit das ver­füg­bare Ein­kom­men leich­ter pla­nen kön­nen.
      Als Unter­neh­men jedoch kön­nen sich auch die Ein­nah­men sprung­haft ver­än­dern. Daher ist die Fle­xi­bi­li­tät das oberste Gebot, um die Aus­ga­ben jeder­zeit anpas­sen zu kön­nen. Fixe Kos­ten nimmt man i.d.R. nur dann in Kauf, wenn damit gewich­tige Kos­ten­ein­spa­run­gen ein­her gehen. Oder kön­nen Sie sich eine Firma vor­stel­len, die Mit­ar­bei­ter auch dann fest ein­stel­len würde, wenn Frei­be­ruf­ler *güns­ti­ger* wären?! Genau darum han­delt es sich aber in unse­rem Fall: Ein Fest­satz­kre­dit ist grund­sätz­lich teu­rer als der varia­ble Kre­dit! Bleibt als Erklä­rung somit das Stich­wort »Risi­ko­ma­nage­ment« übrig:

      Man ist ja nicht unter­neh­me­risch tätig, um Risi­ken zu mei­den! Der Sinn der Sache ist es doch, Risi­ken bewusst ein­zu­ge­hen, weil man die damit ein­her­ge­hen­den Chan­cen rea­li­sie­ren möchte. Das Risi­ko­ma­nage­ment hat nicht zum Ziel, die Risi­ken zu eli­mi­nie­ren. Denn sonst würde man z.B. für alle Umsätze eine Aus­fall­ver­si­che­rung abschlie­ßen, um sicher­zu­ge­hen, dass die Gel­der auch garan­tiert ein­ge­hen. Das Risi­ko­ma­nage­ment küm­mert sich pri­mär um Risi­ken, die *erheb­li­che* Aus­wir­kun­gen auf die Ver­mö­gens-, Finanz- und Ertrags­lage haben kön­nen. Anhand der ver­füg­ba­ren Infor­ma­tio­nen bil­det man sich im Rah­men der Risi­ko­ana­lyse genau hierzu eine Mei­nung. Ange­nom­men alle Infor­ma­tio­nen spre­chen für abseh­bar fal­lende oder gleich­blei­bende Zin­sen. Warum sollte man den­noch diese Absi­che­rungs­stra­te­gie, näm­lich einen Fest­satz­kre­dit, wäh­len (und dadurch höhere Kos­ten ver­ur­sa­chen), die nur dann Sinn macht, wenn Zin­sen inner­halb kur­zer Zeit sehr stark stei­gen?

  4. »Mit »Ihre eigene Mei­nung« meine ich übri­gens nicht den Finanz­ma­na­ger, son­dern die gesamte Geschäfts­füh­rung!«

    Eine eigene Mei­nung zu bil­den, ist sogar bei ein­fa­che­ren Sach­ver­hal­ten schwie­rig, gar unmög­lich.

    Mechank­ier A meint, dass dem Wagen nur neue Zünd­ker­zen feh­len, Mecha­ni­ker B spricht von neuem Motor.

    Nun hat der Fami­li­en­rat sich eine eigene Mei­nung gebil­det und dar­auf­hin das güns­tigste Ange­bot für Ker­zen + Motor ein­ge­holt.

    Ver­mut­lich hätte Mecha­kier C die rich­tige Dia­gnose gestellt gehabt? Den haben wir aber lei­der gar nicht befragt und dafür den Motor und die Ker­zen güns­tig aus­tau­schen las­sen.

    Der Wagen läuft immer noch nicht rich­tig rund.

    • Das Geschäfts­le­ben ist ja bekannt­lich extrem sel­ten »ein­fach«. Man hat es mit Kom­ple­xi­tät sowie einer Viel­zahl von teils unbe­kann­ten Varia­blen und Inter­de­pen­den­zen zutun. Die Frage ist m.E. nicht, ob es mir ein­fach oder schwer fällt, son­dern ob es rele­vant für mei­nen Geschäfts­er­folg ist oder nicht. Dann ist »keine Mei­nung und igno­rie­ren« schlicht keine Alter­na­tive!

      Wenn ich z. B. keine Geschäfts­be­zie­hung mit Grie­chen­land habe, muss ich auch keine Mei­nung dazu haben, was jetzt am Sonn­tag pas­sie­ren könnte. Wenn es sich aber um einen gewich­ti­gen Export­an­teil han­delt, dann sollte ich längst eine Mei­nung gebil­det und eine pas­sende Stra­te­gie fest­ge­legt haben!

      Wie man mit wich­ti­gen The­men inner­halb der Geschäfts­füh­rung umgeht, ist wie­derum eine ganz andere Frage. Hier­für stellt wohl jede Firma intern ihre eige­nen Spiel­re­geln auf: Von »Wir reden dar­über aber letzt­lich ist es deine Kom­pe­tenz und du ent­schei­dest allein« bis »Wir dis­ku­tie­ren solange bis wir uns auf einen Lösungs­weg eini­gen«, viele Vari­an­ten kom­men zum Ein­satz.

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