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Krea­ti­vi­tät und Inno­va­tion - die zwei zan­ken­den Geschwis­ter — 5 Kommentare

  1. Dass sich Geschwis­ter zan­ken, ist seit der Bibel bekannt :-). Trotz­dem sind sie Geschwis­ter. Ich kann die Bemer­kun­gen durch­aus nach­voll­zie­hen und sie wider­spie­geln gut die unter­schied­li­che Aus­prä­gung oder Bedeu­tung, wel­che als Leser darin inter­pre­tiert wer­den kann. Und doch sind Inno­va­tion und Krea­ti­vi­tät syn­onym. Beide bedeu­ten Erneue­rung, egal in wel­cher Form und Aus­füh­rung. Aus­ser­dem wird statt Inno­va­tion Inno­va­ti­ons­ma­nage­ment in der Erklä­rung zum Ver­gleich ver­wen­det. Hier wird also Pla­nung, Steue­rung und Kon­trolle von Inno­va­tion mit Krea­ti­vi­tät ver­gli­chen? Dies passt dann wohl weni­ger zusam­men …
    Mit Begrif­fen gem. Design Thin­king bewe­gen sich die Aus­füh­run­gen im Arti­kel vor­schnell im Lösungs­raum resp. bereits in der Umset­zung, statt im Ver­ste­hen, beob­ach­ten und der Syn­these.
    Einen wesent­li­chen Feind für Krea­ti­vi­tät fehlt mei­ner Mei­nung nach … die Wirt­schaft. Diese schreibt Krea­ti­vi­tät der Kunst zu und Kunst passt weni­ger zu Wirt­schaft, da es wohl zu unse­riös und nicht Busi­ness-like klingt. Falls ein Mana­ger zu einer Idee den Aus­druck »ori­gi­nell« ver­wen­det (im Arti­kel wird Krea­ti­vi­tät mit Ori­gi­na­li­tät gleich gesetzt), ist dies wohl gleich bedeu­tend mit keine Chance.
    Des Wei­te­ren ver­wen­det die Wirt­schaft den Begriff Inno­va­tion oft­mals fälsch­li­cher­weise und meint damit ledig­lich Ver­än­de­rung oder Anpas­sung (alter Wein in neuen Schläu­chen) - gutes Mar­ke­ting, mehr nicht. Gerade die Auto­in­dus­trie ist ein typi­sches Bei­spiel für man­gelnde »echte« Inno­va­tion - Otto­mo­tor lässt grüs­sen. Alter­na­ti­ven ste­cken immer noch in den Anfän­gen, dies in über 100 Jah­ren (Kom­men­tar über­flüs­sig).

    • Hallo Herr Cahen­zli und danke für Ihre gute Ant­wort.

      »Hier wird also Pla­nung, Steue­rung und Kon­trolle von Inno­va­tion mit Krea­ti­vi­tät ver­gli­chen?« Nein, das war nicht meine Absicht. Die Absicht war zu ver­deut­li­chen, dass es m. E. zwei Sor­ten von Ideen gibt und dass krea­tive Ideen wesent­lich brei­ter gefasst sind als inno­va­tive Ideen, da letz­tere viel ver­stärk­ter sich mit der Umsetz­bar­keit befas­sen. Wie auch von Ihnen – zurecht – ange­deu­tet, haben krea­tive Ideen es in vie­len Unter­neh­men sehr schwer. Daher kann man in Unter­neh­men »Inno­va­ti­ons­ma­nage­ment« als Thema nebst Zustän­dig­kei­ten vor­fin­den aber kaum »Krea­ti­vi­täts­ma­nage­ment«. Und das ist die Über­lei­tung zu Ihrem ande­ren Punkt:

      M. E. ist nicht die »Wirt­schaft« per se schuld, son­dern eine bestimmte Sorte von Kar­riere-Mana­gern, die ver­stärkt in Groß­un­ter­neh­men vor­kom­men und es dort an die Spitze schaf­fen. Hinzu kom­men Inves­to­ren und andere Markt­teil­neh­mer, die das Den­ken in Peri­oden­ge­winn und -ver­lust kul­ti­vie­ren. Daher stimme ich mit Ihnen über­ein, dass echte Inno­va­tio­nen häu­fig feh­len (geschweige denn echte krea­tive Ideen) und wir es ledig­lich mit Mar­ke­ting-Sprech zutun haben. Aus­nah­men bestä­ti­gen die Regel, wozu ich z. B. den Google-Kon­zern zähle. Sogar wei­ter­ge­hend dahin­ge­hend, dass sie dort einen Raum schaf­fen, damit krea­tive Ideen ent­ste­hen kön­nen, ohne dass diese auf­grund der Umsetz­bar­keits­be­trach­tung ein schnel­les Ende fin­den. Auch meine alte Bran­che – das Invest­ment Ban­king – ver­fügt in aller Regel über »Think Tanks«. Häu­fig ist es nur ein (inter­nes) Mar­ke­ting-Sprech aber ich habe auch Zei­ten erlebt (Je nach zustän­di­ger Mana­ger eben), in denen der eigent­li­che Gedanke dahin­ter tat­säch­lich gelebt wurde.

      Fer­ner sind mei­ner Beob­ach­tung nach eine beacht­li­che Anzahl von inha­ber­ge­führ­ten mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men stän­dig auf der Suche nach kreativen/​originellen Ideen, um ihre Wett­be­werbs­fä­hig­keit wei­ter­hin zu gewähr­leis­ten. Auf das Schlechte im Guten ging ich im Bei­trag kurz ein.

  2. Herz­li­chen Dank für die Stel­lung­nahme zu mei­nem Kom­men­tar. Ihre klä­ren­den Erläu­te­run­gen gefal­len mir wesent­lich bes­ser . Ihre Prä­zi­sie­rung mit den Kar­riere-Mana­gern und den gol­de­nen Fall­schir­men trifft den Nagel auf den Kopf. Das Buch von Patrick D. Cow­den »Mein Boss die Memme« beschreibt Para­de­bei­spiele der Chef­mi­sere in Gross­un­ter­neh­men.
    Als Dozent im Neben­amt u.a. für Sys­tems- und Requi­re­ments Engi­nee­ring oder par­al­lel für krea­tive Pro­blem­lö­sungs­pro­zesse kämpfe ich oft mit der Pro­ble­ma­tik, zu erklä­ren, dass echte Inno­va­tion nur dank Krea­ti­vi­tät mög­lich ist. Ob Vor­ha­ben nun kon­ven­tio­nell oder agil umge­setzt wer­den, es zählt meist nur in Time und Bud­get. Die Qua­li­tät kommt zu kurz, was zum Boo­me­rang wird. Dar­un­ter lei­det auch der Aus­bil­dungs­be­reich als sog. Zeit- und Bud­get­fres­ser. Dar­aus folgt Aus­bil­dung … meist im Selbst­stu­dium ohne Beglei­tung oder als Fron­tal­un­ter­richt (Nürn­ber­ger-Trich­ter). Ansätze gem. dem Lern­pa­ra­digma des Kon­struk­ti­vis­mus, wel­che u.a. auch die Krea­ti­vi­tät för­dern, fin­den da wenig Akzep­tanz.

    • Danke Ihnen! Das, was Sie rich­tig beschrei­ben, sind typi­sche Sym­ptome. Aber was sind die eigent­li­chen Ursa­chen? Wie Sie auf mei­ner Web­site nach­le­sen kön­nen, behandle ich bei mei­ner Arbeit weni­ger die Sym­ptome, son­dern die eigent­li­chen Ursa­chen. Ich glaube den Haupt­übel­tä­ter zwi­schen­zeit­lich outen zu kön­nen: Feh­lende Klä­rung der gegen­sei­ti­gen Rol­len­er­war­tun­gen – hier­ar­chisch und pro­zes­sual. Dar­aus resul­tie­rend: Rol­len­kon­flikte soweit das Auge reicht.

      Daher gibt es in ein und der­sel­ben Firma unter­schied­li­che Auf­fas­sun­gen dar­über, ob und wie weit Qua­li­tät im Vor­der­grund steht (siehe bei Inter­esse den Bei­trag: „Magi­sches Drei­eck: Kos­ten – Zeit – Qua­li­tät“), genauso dahin­ge­hend, was die eigent­li­che Auf­gabe des Pro­dukt-Inno­va­ti­ons­teams ist. Ist es der interne Lie­fe­rant und der Ver­trieb der interne Kunde, der ihm sagt was er braucht? Oder ist es letzt­lich der ver­län­gerte Arm des CEO, der die stra­te­gi­sche Vor­gabe tätigt und der Ver­trieb und die Pro­duk­tion sind die inter­nen Umset­zer?
      Und z.B. hier­ar­chisch: Was kann man von einer Fach­kraft – und somit Experte in eige­ner Sache – in Fra­gen der Wei­ter­bil­dungs-Eigen­in­itia­tive erwar­ten? Und was ist eigent­lich der Mehr­wert eines lei­ten­den Ange­stell­ten?

      Klärt man die kon­flik­tä­ren Rol­len­er­war­tun­gen in einem Unter­neh­men, dann ver­schwin­den viele Dau­er­bau­stel­len ganz von allein.

      Lei­der (aber durch­aus nach­voll­zieh­bar warum) haben sich die Dienst­leis­ter eben­falls mit dem oben beschrie­be­nen unlo­gi­schen Spiel arran­giert und tra­gen selbst dazu bei (siehe bei Inter­esse den Bei­trag: „Trends Con­sul­ting-Bran­che: Rea­li­täts­ver­zer­rung rel­oa­ded“).

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