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Kon­to­füh­rung: Die Bank in der Hand – brand­eins — 2 Kommentare

  1. Bei den Ban­ken gebe ich Ihnen Recht, jedoch der Jour­na­lis­mus hat inzwi­schen andere und grö­ßere Pro­bleme.
    Das Pro­blem beschränkt sich nicht auf die Wahl zwi­schen Papier-, oder Inter­net­aus­gabe.
    Der Jour­na­list gehörte frü­her zu einem Berufs­stand, der fast das Mono­pol hatte Infor­ma­tio­nen zu bekom­men, sie zu anlay­sie­ren -manch­mal Recher­chie­ren- und seine Schlüsse und Kom­men­tare seine Leser mit­zu­tei­len.
    Inzwi­schen kommt der Leser durch das Inter­net genauso schnell an Infor­ma­tio­nen ran wie fast jeder Jour­na­list. Auch die Deu­tungs­ho­heit des Jour­na­lis­ten ist somit passe, denn der infor­mierte Leser kann seine eige­nen Schlüsse zie­hen. Wenn wir nun in der Lage sind als Leser die eng­lisch­spra­chige Aus­gabe einer oder meh­re­rer bei­spiels­weise Liba­ne­si­scher Online­zei­tung zu lesen, brau­chen wir kaum einen Aus­lands­kor­re­spon­den­ten der aus siche­rer Ent­fer­nung von sei­nem Hotel­zim­mer aus ver­sucht uns die Gescheh­nisse dort zu erklä­ren, wel­che er auch nur von Hören­sa­gen kennt. Noch weni­ger brau­chen wir einen Jour­na­lis­ten der von sei­nem Küchen­tisch in Bot­trop aus die Gescheh­nisse in Liba­non kom­men­tiert.
    Daher wird auch kaum ein Leser bereit sein, für die Kom­men­tare die­ser Her­ren, ganz gleich als Online- oder als Papier­aus­gabe zu bezah­len.

    • Die Bedürf­nisse der Leser sind glaube ich sehr unter­schied­lich und die Ver­lage haben sich wohl nach und nach dar­auf ein­ge­stellt. Ich meine diese 3 iden­ti­fi­ziert zu haben:

      1. Die sehr große Gruppe der Men­schen, die wohl eine »Mei­nung-to-go« haben möch­ten: Haupt­sa­che nicht selbst den­ken, Haupt­sa­che nicht Zeit mit Den­ken ver­brin­gen, son­dern schnell eine Mei­nung an die Hand bekom­men, mit der man auf Par­tys oder im Büro mit­re­den kann.
      2. Die große Gruppe der Men­schen, die sogar viel den­ken, auf­grund ihrer Sozia­li­sie­rung aber eine bestimmte Denk­rich­tung prä­fe­rie­ren und nach Verlagen/​Journalisten Aus­schau hal­ten, die ihre Mei­nung so schön spitz und prä­gnant oder pole­misch und bis­sig auf den Punkt brin­gen.
      3. Dann wohl die kleine Min­der­heit, zu denen ich selbst gehöre, die es vor­zie­hen, die Fak­ten zu ken­nen, um eine eigene Mei­nung zu bil­den. Es inter­es­siert mich ein­fach nicht, wie ein Jour­na­list, den ich nicht kenne, über ein Thema denkt. Es inter­es­siert mich, zu ver­ste­hen, wie unter­schied­li­che Men­schen unter­schied­lich über das Thema den­ken und ihre Gründe dafür, damit ich mir eine eigene Mei­nung bil­den kann.

      Dafür sieht die Lage recht düs­ter aus. Man muss unter­schied­li­che Quel­len anzap­fen, damit man die ganze »Wahr­heit« erfasst. (Die hier zitierte Zeit­schrift »brand­eins« gehört m. E. zu den weni­gen Aus­nah­men auf dem Markt.)

      Ich habe mir z. B. ange­wöhnt, bei wich­ti­gen Welt­the­men mir 3 Quel­len anzu­se­hen: irgend­was West­li­ches wie CNN/​BBC, dann was aus dem Nahen Osten wie Al Jaze­era und dann noch was Chi­ne­si­sches oder Rus­si­sches. Ich kann Phy­si­kern da drau­ßen nur raten: Wenn Sie die Exis­tenz von Par­al­lel­uni­ver­sen nach­wei­sen wol­len, tuen Sie es mir gleich!

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