Die Vorteile einer Zentralisierung sind noch nicht beim Thema Zahlungsverkehr angekommen. Sowohl Compliance- als auch Kosten-Aspekte sind davon betroffen.
Die Vorteile einer Zentralisierung sind noch nicht beim Thema Zahlungsverkehr angekommen. Sowohl Compliance- als auch Kosten-Aspekte sind davon betroffen.

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Zahlungsverkehr – das letzte gallische Dorf?!

3 Min.

Die Vorteile einer Zentralisierung scheinen noch nicht wirklich beim Thema Zahlungsverkehr angekommen zu sein. Die daraus resultierenden Probleme betreffen sowohl Compliance– als auch Effizienz– und Kosten-Aspekte.

Wir befinden uns im Jahre 201x n. Chr. Ganz Gallien ist zwischenzeitlich zentralisiert. Ganz? Nein! Der unbeugsame Zahlungsverkehr hört nicht auf, Widerstand zu leisten.

Meiner Beobachtung nach wurden noch vor 10 Jahren viele Kompetenzen dezentral ausgeübt. So verantworteten beispielsweise lokale Mitarbeiter in in- und ausländischen Tochtergesellschaften das Vorort Zins- und Währungsmanagement oder die Verhandlung der lokalen Betriebsmittellinien mit Banken. Heutzutage sind jedoch wichtige Kompetenzen häufig zentralisiert. Die Sachgründe, die dafür sprechen, liegen auf der Hand.

Interessanterweise scheint aber das Thema Zahlungsverkehr nach wie vor außen vor zu bleiben. Nicht selten gibt es ein Chaos von unzähligen Bankkonten und die dazugehörigen Vollmachten. Die Probleme – damals wie heute – sind die Gleichen und betreffen sowohl Compliance- als auch Effizienz- und Kosten-Aspekte:

  • Kein wirklicher Überblick “auf Knopfdruck” darüber, welcher Mitarbeiter wo welche Zeichnungsberechtigungen besitzt, und die fehlende Möglichkeit, die Berechtigungen von ausscheidenden Mitarbeitern gegenüber den Banken überall unverzüglich löschen zu können
  • Teurere lokale Konditionen, obwohl man längst günstigere Rahmenvereinbarungen mit einer Bank abgeschlossen hat.
  • Bankkonten, die in der Bilanzbuchhaltung nicht bekannt sind (Stichwort “schwarze Kassen”).
  • Keine Möglichkeit, alle Zahlungen gegenüber einer Bankengruppe bei Bedarf unverzüglich unterbinden zu können.
  • Bankspezifische Tools (wie S-Firm oder COTEL etc.), die ohne eine Integration in die Buchhaltungssysteme lokal und mit vielen manuellen Prozessen betrieben werden.
  • Fehlende Transparenz und Kontrolle (wie viel Liquidität ist aktuell vorhanden, was wurde wann und an wen bezahlt, wie war der Liquiditätsverlauf im letzten halben Jahr, etc.). u. v. m.

Es gibt natürlich IT-Dienstleister, die Lösungen für diese Probleme anbieten. Aber um das Motto dieses Blogs – Verzahnung der weichen mit den harten Themen – gerecht zu werden, erlauben Sie diesen Hinweis:

Die Herausforderung wird auch hierbei die menschliche Komponente sein: Wenn Menschen Kompetenzen abgeben sollen, werden sie es voraussehbar nicht mögen. Und das über alle Hierarchiestufen hinweg: von Mitarbeiter im Tagesgeschäft bis hin zum Geschäftsführer der Tochtergesellschaft vor Ort.

Sie werden sich (vielleicht) am Ende durch Basta! Anweisungen durchsetzen, aber Sie werden den Preis dafür zahlen: Menschen können sehr kreativ sein, wenn es darum geht, ihren Missmut zum Ausdruck zu bringen. Die vielen Steine, die ihre (IT-)Berater in den Weg gelegt bekommen werden, werden vermutlich die kleinsten Sorgen bereiten. Ihre Berater werden gerne die Geduld aufbringen, denn Sie zahlen ja ihren Tagessatz!

Meine Empfehlung: Nicht nur, dass Sie die betroffenen Mitarbeiter einbinden sollten, machen Sie sogar den “Bock zum Gärtner”: Insbesondere die abgebenden Mitarbeiter sollten an der Erarbeitung der idealen Lösung für Ihr Haus mitarbeiten. Denn sie allein kennen die Besonderheiten und Fallstricke in ihrem Tagesgeschäft, die die aufnehmende Stelle nicht wissen kann. Für die erarbeitete Lösung können Sie sich anschließend die passende Umsetzungsunterstützung aussuchen.

Ein weiterer Vorteil dieser Vorgehensweise besteht darin, dass sie die Schwachstellen des potenziellen Dienstleisters leichter offenlegen kann. Es ist ein offenes Geheimnis, dass beispielsweise viele IT-Lösungen am grünen Tisch entstehen und erst nach und nach anhand der Feedbacks von Kunden optimiert werden. Manchmal gibt es aber auch Lösungen, die von ehemaligen Praktikern aufgrund ihrer jahrelangen Erfahrungen entstehen. Die sind rar und vermutlich ziemlich nahe an dem Lösungswunsch, den Ihre Mitarbeiter erarbeiten werden!

Autor:

eBooks, Hörbücher, Podcasts:

Titelbilder der beiden eBooks bei bookboon.com
→ bookboon.com

6 Kommentare zu „Zahlungsverkehr – das letzte gallische Dorf?!“

  1. “Ich gehe fest davon aus, dass wir sogar im B2B-Zahlungsverkehr sehr bald neue Innovationen sehen werden”

    Davon gehe ich auch aus, allerdings kann der neue Anbieter nicht nur im Netz existieren, sondern muss auch tatsächlich mit Ansprechpartnern agieren.

    Eine Goolgesuche nach “Paypal negative Erfahrungen” brachte mehr als 1 Mio Treffer, was darauf schließt, dass das System nicht ausgereift oder für den Kunden ungüstig ausgelegt ist. Wahrscheinlich fehlt der menschliche Ansprechpartner.

    Eine Initiative zwischen einige Banken und Sparkassen mit ihren vielen Privatkunden hätte wesentlich bessere Erfolgchancen als ein neuer Nurnetzbewohner.

    Warten wir es ab.

  2. Die CD Branche erfüllt nur den Wunsch vieler Verbraucher, die oft ihre Musik sichtbar und physisch besitzen wollen.

    Wer eine CD-, Platten-, Bücher- oder Briefmakensammlung hat, erfreut sich diese zu sehen und gibt sich nicht mit deren digitaler Speicherung zufrieden, auch wenn sie die gleiche Funktion erfüllt.

    1. Kourosh Ghaffari

      Selbstverständlich gibt es weiterhin einen Markt für CDs. Genauso wie es weiterhin sogar einen Markt für Schallplatten gibt. Aber DAS Marktverhalten hat sich gewandelt und daher die drastischen Rückgänge. Der Kunde verlangt nach Alternativen. Ob Zahlungsverkehr oder CD, man kann als Platzhirsch entweder *rechtzeitig* intelligente neue Lösungen für die neuen Bedürfnisse kreiieren oder abwarten bis neue (branchenfremde) Anbieter das Thema besetzen und dann Abwehrkampanien gegen sie starten. Meiner Beobachtung nach passiert bei beiden Themen Letzteres. Ich persönlich halte diese Vorgehensweise in keiner Branche für eine gelungene Strategie.

      Ich gehe fest davon aus, dass wir sogar im B2B-Zahlungsverkehr sehr bald neue Innovationen sehen werden und bin daher jetzt schon sehr gespannt auf die Reaktionen der Platzhirsche.

  3. Kourosh Ghaffari

    @ Anonym / Hr. Gassner: Absolut richtig. Dazu fällt mir die folgende Anekdote ein, die fast 10 Jahre zurück liegt: Ich habe die Tochtergesellschaft eines deutschen Konzerns in Süd Korea aufgesucht. Als ich ins Büro des Managers geführt wurde, hat er gerade aufgehört zu telefonieren. Er sagte: “da Sie aus Deutschland kommen, wird Sie das interessieren: Das war mein Kollege aus Singapur, er hat mir gerade eine Zahlung telefonisch avisiert und auch direkt losgeschickt. Achten Sie nun auf meinen Bildschirm …” Ping, eine Meldung hat den Zahlungseingang angezeigt! 1 Minute, wohl gemerkt von Singapur nach Süd Korea.

    Es ist kein technisches Problem, sondern das eines veralteten Geschäftsmodells! Die Blamage ist sogar viel größer als “nur” die 1-3 Tage: Angenommen Sie kaufen privat etwas online und sie bezahlen mittels einer Bank-Überweisung. Nun wollen Sie ja wissen, ob das Geld angekommen ist, so dass die Ware losgeschickt werden kann. Nicht nur, dass Sie abwarten müssen bis die Zahlung bei der Bank des Empfängers ankommt und gutgeschrieben wird, Sie müssen vielmehr warten bis der Empfänger den Eingang verbucht, dann ihn anrufen und dann wissen Sie es erst! Beim PayPal o.ä. dagegen haben Sie sofort die Info: Ihre Zahlungsverpflichtung ist erfolgt, die Ware kommt. Man muss sich vor Augen führen: Eine Überweisung kommt von einem Dienstleister, der Zahlungsverkehr als seine Kernkompetenz ansieht, PayPal ist von einer Auktionsplattform, die die Bezahlfunktion lediglich als ein nützliches Nebenprodukt eingeführt hatte!

    Manchmal kommt es mir vor wie die CD-Branche, die ein halbtotes Pferd reitet aber es partout nicht einsehen will. Stattdessen wird das Pferd in immer imposantere Gewänder präsentiert.

  4. Wir befinden uns im Jahre 2012 n.Chr., innerhalb von Minuten können wir uns ganze Spielfilme zusenden oder austauschen.

    Die Überweisung eines Geldbetrages mittels einer Bank braucht immer noch 2-3 Tage bis er dem Empfänger gutgeschrieben wird.

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