Die Vorteile einer Zentralisierung scheinen noch nicht wirklich beim Thema Zahlungsverkehr angekommen zu sein. Die daraus resultierenden Probleme betreffen sowohl Compliance– als auch Effizienz– und Kosten-Aspekte.
Wir befinden uns im Jahre 201x n. Chr. Ganz Gallien ist zwischenzeitlich zentralisiert. Ganz? Nein! Der unbeugsame Zahlungsverkehr hört nicht auf, Widerstand zu leisten.
Meiner Beobachtung nach wurden noch vor 10 Jahren viele Kompetenzen dezentral ausgeübt. So verantworteten beispielsweise lokale Mitarbeiter in in- und ausländischen Tochtergesellschaften das Vorort Zins- und Währungsmanagement oder die Verhandlung der lokalen Betriebsmittellinien mit Banken. Heutzutage sind jedoch wichtige Kompetenzen häufig zentralisiert. Die Sachgründe, die dafür sprechen, liegen auf der Hand.
gbcc-Akademie mit neuem Inhalt!

- Persönlichkeitsentwicklung:
Warum ticke ich so, wie ich ticke? Und was nun? - Mitarbeiterführung:
Leitende Tätigkeiten braucht jedes Unternehmen – aber nicht zwingend Hierarchien! - Prozessmanagement:
Silodenken überwinden, professionell & produktiv zusammenarbeiten! Geht das? - Kommunikation:
Warum reden wir aneinander vorbei und was können wir dagegen tun?
Interessanterweise scheint aber das Thema Zahlungsverkehr nach wie vor außen vor zu bleiben. Nicht selten gibt es ein Chaos von unzähligen Bankkonten und die dazugehörigen Vollmachten. Die Probleme - damals wie heute - sind die Gleichen und betreffen sowohl Compliance- als auch Effizienz- und Kosten-Aspekte:
- Kein wirklicher Überblick »auf Knopfdruck« darüber, welcher Mitarbeiter wo welche Zeichnungsberechtigungen besitzt, und die fehlende Möglichkeit, die Berechtigungen von ausscheidenden Mitarbeitern gegenüber den Banken überall unverzüglich löschen zu können
- Teurere lokale Konditionen, obwohl man längst günstigere Rahmenvereinbarungen mit einer Bank abgeschlossen hat.
- Bankkonten, die in der Bilanzbuchhaltung nicht bekannt sind (Stichwort »schwarze Kassen«).
- Keine Möglichkeit, alle Zahlungen gegenüber einer Bankengruppe bei Bedarf unverzüglich unterbinden zu können.
- Bankspezifische Tools (wie S-Firm oder COTEL etc.), die ohne eine Integration in die Buchhaltungssysteme lokal und mit vielen manuellen Prozessen betrieben werden.
- Fehlende Transparenz und Kontrolle (wie viel Liquidität ist aktuell vorhanden, was wurde wann und an wen bezahlt, wie war der Liquiditätsverlauf im letzten halben Jahr, etc.). u. v. m.
Es gibt natürlich IT-Dienstleister, die Lösungen für diese Probleme anbieten. Aber um das Motto dieses Blogs - Verzahnung der weichen mit den harten Themen - gerecht zu werden, erlauben Sie diesen Hinweis:
Die Herausforderung wird auch hierbei die menschliche Komponente sein: Wenn Menschen Kompetenzen abgeben sollen, werden sie es voraussehbar nicht mögen. Und das über alle Hierarchiestufen hinweg: von Mitarbeiter im Tagesgeschäft bis hin zum Geschäftsführer der Tochtergesellschaft vor Ort.
Sie werden sich (vielleicht) am Ende durch Basta! Anweisungen durchsetzen, aber Sie werden den Preis dafür zahlen: Menschen können sehr kreativ sein, wenn es darum geht, ihren Missmut zum Ausdruck zu bringen. Die vielen Steine, die ihre (IT-)Berater in den Weg gelegt bekommen werden, werden vermutlich die kleinsten Sorgen bereiten. Ihre Berater werden gerne die Geduld aufbringen, denn Sie zahlen ja ihren Tagessatz!
Meine Empfehlung: Nicht nur, dass Sie die betroffenen Mitarbeiter einbinden sollten, machen Sie sogar den »Bock zum Gärtner«: Insbesondere die abgebenden Mitarbeiter sollten an der Erarbeitung der idealen Lösung für Ihr Haus mitarbeiten. Denn sie allein kennen die Besonderheiten und Fallstricke in ihrem Tagesgeschäft, die die aufnehmende Stelle nicht wissen kann. Für die erarbeitete Lösung können Sie sich anschließend die passende Umsetzungsunterstützung aussuchen.
Ein weiterer Vorteil dieser Vorgehensweise besteht darin, dass sie die Schwachstellen des potenziellen Dienstleisters leichter offenlegen kann. Es ist ein offenes Geheimnis, dass beispielsweise viele IT-Lösungen am grünen Tisch entstehen und erst nach und nach anhand der Feedbacks von Kunden optimiert werden. Manchmal gibt es aber auch Lösungen, die von ehemaligen Praktikern aufgrund ihrer jahrelangen Erfahrungen entstehen. Die sind rar und vermutlich ziemlich nahe an dem Lösungswunsch, den Ihre Mitarbeiter erarbeiten werden!

