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Umfrage-Ergeb­nis: Kun­den wol­len gesiezt wer­den — 2 Kommentare

  1. Gut, dass hier das Phä­no­men erwähnt wird, dass in sozia­len Netz­wer­ken das Duzen quasi Pflicht ist. Man hat hier das Argu­ment, dass alle in sozia­len Netz­wer­ken Freunde seien, was für mich irgend­wie uto­pisch klingt … Im rus­sisch­spra­chi­gen Inter­net kann man aber ganz locker sie­zen und nie­mand wird sich dar­über beschwe­ren - da ist man viel demo­kra­ti­scher und die­sen Duz-Zwang im deutsch­spra­chi­gen Inter­net emp­finde ich als Dik­ta­tur! Man muss hier quasi ein Cha­mä­leon sein - off­line sie­zen, online duzen … Ein deut­scher Blog­ger will das Sie­zen abschaf­fen, da es sei­ner Mei­nung nach auf Hier­ar­chien zurück­führt: https://​www​.zeit​.de/​k​u​l​t​u​r​/​2​0​2​0​-​0​1​/​s​o​z​i​a​l​e​-​m​e​d​i​e​n​-​h​o​e​f​l​i​c​h​k​e​i​t​-​a​n​r​e​d​e​-​t​w​i​t​t​e​r​-​s​a​s​k​i​a​-​e​s​k​e​n​-​r​ezo . Aller­dings habe ich fest­ge­stellt, dass das Sie­zen doch sehr not­wen­dig ist. Nach wie vor habe ich es mit dem Ero­tik­be­reich zu tun und einige Ero­tik­dar­stel­le­rin­nen haben sich dar­über beschwert, dass man ihnen eine intime Bezie­hung uner­wünscht ange­bo­ten hatte. Da habe ich eine Lösung, dass sich Dar­stel­le­rin­nen und ihr Publi­kum gegen­sei­tig sie­zen! Im Eng­li­schen sollte man Dar­stel­le­rin­nen nicht mit Vor­na­men, son­dern mit »Ms. + Nach­name« anspre­chen, ich finde, das Sie­zen wird hier den Spaß nicht ver­der­ben! Das Sie­zen ist auch quasi ein Schutz­me­cha­nis­mus und da ich ein Poly­glott bin, habe ich mich ent­schie­den, skan­di­na­vi­sche Spra­chen zu boy­kot­tie­ren, solange da das Sie­zen nicht wie­der ein­ge­führt wird! Bei einer Reise nach Skan­di­na­vien werde ich mich statt­des­sen auf Eng­lisch kom­mu­ni­zie­ren. Nicht zuletzt möchte ich erwäh­nen, dass wenn man in der ehe­ma­li­gen Sowjet­union mit einer unhöf­li­chen Reak­tion rech­nen kann, wenn man uner­laubt duzt!

    • Guten Tag Herr Safo­nov und danke für Ihre inter­es­san­ten Aus­füh­run­gen. Was der zitierte deut­sche Blog­ger und Sie ver­mut­lich gemein­sam haben, ist letzt­lich, dass Ihnen bei­den es auf ein »respekt­vol­les Mit­ein­an­der auf Augen­höhe« ankommt. Beim Thema »Respekt« darf man jedoch nicht an der äuße­ren Form/​Technik hän­gen­blei­ben, son­dern muss nach der Hal­tung dahin­ter stre­ben. Hier stel­len gesell­schaft­li­che Nor­men wie eben das Sie­zen die äußere Form dar und Aspekte wie z. B. »Respekt emp­fin­den für sein gegen­über« stel­len die innere Hal­tung dahin­ter dar.

      Man kon­zen­triert sich zunächst auf die äußere Form/​Technik, da dies es einem erleich­tert, sich daran ori­en­tie­rend nach und nach zu der inne­ren Hal­tung dahin­ter zu fin­den. Wenn man die Hal­tung dahin­ter gefun­den hat, kann man die äußere Form belie­big ver­än­dern.

      Sprich: Dann wer­den wir auch beim Duzen als respekt­voll wahr­ge­nom­men. Aber: Fin­den wir zu der inne­ren Hal­tung dahin­ter nicht, dann ver­kommt die Anwen­dung der äuße­ren Form zu einer bedeu­tungs­lo­sen Fassade/​Farce. Sprich: Dann sie­zen wir zwar, sind aber dabei her­ab­las­send, sar­kas­tisch oder zynisch.

      Das vor­aus­ge­schickt, gerade in der heu­ti­gen Zeit kann man ver­stärkt den Trend beob­ach­ten, dass der respekt­volle Umgang mit­ein­an­der in den sozia­len Medien zuneh­mend ver­lo­ren geht. Men­schen sind von jetzt auf gleich unhöf­lich, pol­ternd und ver­hal­ten sich despek­tier­lich ande­ren gegen­über. Die äußere Form war m. E. nie wich­ti­ger als in der heu­ti­gen Zeit, um es Men­schen zu erleich­tern, zu einem respekt­vol­le­ren Umgang mit­ein­an­der zu fin­den. Dar­auf läuft auch, glaube ich, Ihre These hin­aus. Aber zu hof­fen, dass die äußere Form das Pro­blem löst, ist ein Trug­schluss.

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